Wolf Haas – Brennerova

brennerovaKann man das wirklich als Krimi bezeichnen? Egal. Es ist mal wieder etwas passiert. Der Brenner hat sich erneut mit seiner Hilde eingelassen, aber ganz unabsichtlich auch Kontakt bei einer russischen Frauenvermittlung gesucht. Und da war diese wunderschöne Frau, Nadeshda, die sich auch noch gewünscht hat, dass er sie besucht, und weil die Hilde sowieso eine bewusstseinserweiternde Wanderung irgendwo am Ende der Welt geplant hatte, fliegt er halt hin, steigt nach ihren genauen Anweisungen um und wird prompt ausgeraubt.

Aber dann schaut sie ihn mit ihren großen Augen an und erzählt von der verschwundenen Schwester, die er jetzt suchen soll, was er, zurück in Wien, dann irgendwie auch anfängt und dabei in Kontakt mit einem REdakteur einer Onlinezeitung und einem Tätowierer kommt, die beide kurz darauf mit abgeschnittenen Händen vorgefunden werden.

Natürlich will er jetzt mehr wissen, und so nimmt eine ausgesprochen verworrene und an den Haaren herbeigezogene Geschichte ihren Lauf. Wobei ich ausdrücklich dazu sagen muss: beim Haas stört mich das an sich nicht, wenn es an den Haaren herbeigezogen ist. Die Krimihandlung bei seinen Büchern war immer schon Nebensache.

Mein Problem war, dass ich auch die kleinen zwischenmenschlichen Beobachtungen und den Wortwitz, der durch die geniale Schilderung von Haas normalerweise so ein Buch trägt, diesmal entweder nicht vorgefunden habe – oder es bei mir einfach nicht mehr wirkt.

Kurzum: Das Ende des Buches ist so gestaltet, dass man eine Fortsetzung eigentlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwarten kann. Ich wünsche mir trotzdem, der Autor verzichtet darauf.

Martin Olczak – Die Akademiemorde (Akademimorden)

akademieKommentar in aller Kürze:
Fängt interessant an, eine nette Geschichte rund um Literatur und Morde. Die Mitglieder der schwedischen Akademie, die jährlich den Nobelpreis für Literatur beginnt, werden der Reihe nach unter seltsamen Umständen getötet, und das Motiv dafür ist, soviel darf man glaube ich verraten, in der Literatur versteckt. Kein Wunder also, dass die Ermittler in Claudia Rodrigez einen Antiquar zu Rate zieht.
Aber die wird rasch aus dem Fall ausgeschlossen (Die Begründung dafür war das erste wirklich große Ärgernis) und ermittelt dann auf eigene Faust weiter.
Im Gegensatz zur Polizei erschließen sich ihnen die Zusammenhänge natürlich sofort…
Was auf dem ersten 100 Seiten noch nach netter, kurzweiliger, wenn auch nicht besonders anspruchsvoller Lektüre aussah, hat mich im weiteren Verlauf des Buches zunehmend geärgert. Ein Krimi muss schon sehr gut geschrieben sein, damit ich Logik und Wahrscheinlichkeit komplett ausschalten kann. Und das war dieses Buch leider nicht. Sprachlich simpel, voller Wiederholungen… nach den enthusiastischen Kritiken hatte ich mir deutlich mehr erwartet

Klappentext: Stockholm, im Mai: Im weltberühmten Hotel Berns Salonger hat man gerade Strindbergs 100. Todestag begangen. Die Festrede hielt der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, ein würdiger Mann und ebenfalls angesehener Schriftsteller. Jetzt kurz vor Mitternacht ist er auf dem Weg nach Hause, durch einen abgeschiedenen Park. Hier trifft es ihn unvermittelt, das Schicksal. Hier wird er ermordet. Tatwaffe ist ein altertümlicher Schwarzpulverrevolver, der die Polizei vor Rätsel stellt. Noch bevor sie sich für eine Ermittlungsrichtung entscheiden kann, geschehen am nächsten Tag vier weitere, ebenso schonungslose Morde. Die Opfer: ebenfalls Mitglieder der Akademie, die für die Auslobung des jährlichen Literaturnobelpreisträgers verantwortlich ist. Was treibt den Mörder um? Klar ist, dass die anderen Akademiemitglieder geschützt werden müssen. Klar ist auch, dass hier konventionelle Methoden nicht weiterhelfen. Claudia Rodriguez von der Zentralen Mordkomission ermittelt auf eigene Faust – und gegen den Willen ihrer Vorgesetzten. Statt dessen bittet sie ihren alten Freund Leo Dorfman um Hilfe, einen Buchantiquar …

Taye Selasi – Diese Dinge geschehen nicht einfach so (Ghana must go)

salesiDer Klappentext sagt: Die literarische Sensation aus Amerika – ein kosmopolitischer Familienroman: In Boston, London und Ghana sind sie zu Hause, Olu, Sadie und Taiwo. Sechs Menschen, eine Familie, über Weltstädte und Kontinente zerstreut. In Afrika haben sie ihre Wurzeln und überall auf der Welt ihr Leben. Bis plötzlich der Vater in Afrika stirbt. Nach vielen Jahren sehen sie sich wieder und machen eine überraschende Entdeckung. Und sie finden das verloren geglaubte Glück – den Zusammenhalt der Familie. Endlich verstehen sie, dass die Dinge nicht einfach ohne Grund geschehen. So wurde noch kein Familienroman erzählt. Taiye Selasi ist die neue internationale Stimme – jenseits von Afrika.

Meine Meinung dazu: Wurde mir im Laufe des Buches zu… glatt. Jedes Teilchen fiel auf seinen Platz, alle Probleme konnten gelöst werden, jedes der Geschwister hatte eigentlich ein sehr ähnliches Problem (Platz in der Familie, Minderwertigkeitsgefühle, Eifersucht auf die Geschwister) – abgesehen von dem ganz großen Thema, dass jeder für sich noch hatte. Die Kinder waren mir insgesamt einfach nicht interessant genug – und ironischer Weise liegt das vor allem daran, dass sie als so “besonders“ herausgestellt werden. Die Figur, die ich wirklich in ihrer Widersprüchlichkeit faszinierend fand war Kweku.
Insofern lag mir der erste Teil des Romans, der ihn im Zentrum hatte, sehr viel mehr. Irgendwie schade – ich habe das Gefühl, hier wurde etwas verschenkt.

Dieser Link führt zu einigen Zitaten, die mich im Laufe der Lektüre beschäftigt haben: Zitate

Elizabeth Gaskell – Lizzie Leigh

lizzieDiese Erzählung beginnt am Sterbebett des Familienoberhaupts. Ich vergebe ihr – damit verabschiedet er sich. Es war der größte Wunsch seiner Frau, dies noch von ihm zu hören. Nun, da die sich mit noch den Kindern verpflichtet fühlt, kann die Mutter endlich tun, was ihr schon lange am Herzen liegt: nach ihrer Tochter Lizzie suchen, eben jener, der nun endlich vergeben wurde. Man ahnt es schon, was es ist, was die so sehr in Ungnade hat fallen lassen: sie hat ein Kind bekommen.

Wie nun dieses Kind ins Spiel kommt, eine weitere Liebesgeschichte sich entwickelt, großer Kummer über die Familie kommt und am Ende doch so etwas wie Friede und Glück auf die Beteiligten wartet, liest sich auf gewohnt etwas umständlich, im schönsten Sonne altmodische Weise.

Tove Jansson – Das Sommerbuch (Sommarboken)

SommerbuchEigentlich habe ich mich während langer Stecken bei diesem Buch einfach nur gelangweilt. Eine Großmutter und ihre sechsjährige Enkelin erleben einen (?) Sommer auf einer abgelegenen Insel, stromern über das Jahr Land, beobachten und führen hin und wieder die Art Gespräche, die mit Kindern gerne mal entstehen, wo man dann selbst überrascht ist, welche Gedanken dabei zum Vorschein kommen.

Es sind dann auch die ganz nebenbei zu findenden kleinen philosophischen Passagen, die die Lektüre für mich ab und an interessant machten… Aber es hat nicht ausgereicht, den Rest wohlwollender zu bewerten. Ich konnte sich mit den Mummins nicht viel anfangen..

Ulrike Edschmied – Das Verschwinden des Philip S.

psOhne Lesekreis hätte ich nicht zu diesem Buch gegriffen. Warum? Weil mir die 68er und die Radikalität jener Zeit zutiefst fremd ist. Leider schafft es auch Edschmid mit ihrem Roman nicht, die mir näher zu bringen. Es ist die kühle, sehr distanzierte und überwiegend autobiographische Schilderung des Lebens, dass die Autorin mit diesem Phillip S. führte. Von der Erschießung Benno O. beeinflusst, wollen sie die Welt verändern – von Kleinen, der Kindererziehung, angefangen – sie gründen die ersten Kinderladen – bis hin zum Großen, das nur durch Gewalt erreicht worden kann.

Mir hat in diesem Buch vieles gefehlt, was es mir als Wesensfremder leichter gemacht hätte, die innere Wandlung nach zu vollziehen, die zu einer derartigen Gewaltbereitschaft führt. Sp bleibt es ein – oft genug auch verbrämt eitles – Erinnerungsbuch, das mir nichts sagen will. Ich bin auf die Diskussion gespannt…

Ich hatte zudem den Eindruck, nicht unbedingt ein literarisches, sondern eher journalistisches Werk vor mir zu haben.

Und was mich ganz am Rande noch gestört hat: es gibt eine Passage in diesem Buch, da ist die Rede von der Halbschwester des 44. amerikanischen Präsidenten, die Jahre später in dem Haus gewohnt haben soll, in dem ein Teil der Handlung der Erinnerungen hier spielt. Wenn man schon so viel Wert darauf legt, dieses unwichtige Detail mit zu verpacken – warum nennt an es dann nicht wenigstens konkret beim Namen?

Man sieht  – meine Begeisterung ist nicht groß. Ich bin gespannt darauf, ob ich nach unserer Diskussion vielleicht ein anderes Bild davon habe.

M. C. Beaton – Agatha Raisin und der tote Richter / Agatha Raisin and the Quiche of Death

16180454Ein nettes britisches Dorf, eine Städterin in den besten Jahren, die sich zur Ruhe setzt und in eben jenes Dorf zieht, sich langweilt und beschließt, mit einer gekauften Quiche den dörflichen Backwettbewerb zu gewinnen sind der Anfang dieses behaglichen kleinen Krimis. Am nächsten Morgen findet man den Preisrichter des Bewerbe tot. Ursache: Vergiftung. Nach Genuss einer gewissen Quiche…

Agatha Rausin stolpert in und durch die Ermittlungen und findet ganz nebenbei Freunde im Dorf…

Wer den deutschen Titel verbrochen hat, sollte gestrafft werden… ansonsten nett zu lesen, wenn man gerade die Ansprüche nicht zu hoch hängt.

Deon Meyer – Dreizehn Stunden. Der sechste Fall von Bennie Griessel

meyerdreizehnFür Bennie Griessel mag es der sechste Fall sein – für mich war es der erste und vermutlich auch letzte Fall des Kapstädter Ermittlers.

Und nein, das ist keine Aussage über die allgemeine Qualität der Reihe, sondern ein gänzlich subjektiver Eindruck meiner persönlichen Lesevorlieben.

In schnellen Schnitten werden hier gleich zwei Kriminalfälle innerhalb von dreizehn Stunden gelöst – in beide ist Bennie in seiner Funktion als Mentor junger Polizisten involviert. Weiterlesen

Susanne Fröhlich – Frisch gepresst

Ich lese ab und an ganz gerne Chicklit. Bücher, die von Frauenproblem(chen) handeln, von Beziehungen, Beziehungsanbahnungen, Kindern, Babykram – leichte Lektüre, so, wie man ab und an auch Zuckerwatte konsumiert.

Wieso Susanne Fröhlich mit diesem Buch allerdings so bekannt wurde, warum dieses Buch sogar verfilmt wurde, hat sich mir nach der Lektüre beim besten Willen nicht erschlossen. Sprachlich platt, die Witzchen auf einem Niveau, das mich leider nicht zum Lachen oder Schmunzeln verleitet – kurzum: ein Flop.

Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt – Der Mann, der kein Mörder war. Sebastian Bergmans erster Fall

hjorthmoerderHochgelobt und doch…

In diesem ersten Fall des Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt darf man als Leser die Bekanntschaft des Polizeipsychologen Sebastian Bergman machen, der sich aus dem aktuellen Dienst schon seit etlichen Jahren zurückgezogen hatte. Weiterlesen