Elena Ferrante – The Neapolitan Novels (Meine geniale Freundin)

ferranteEs wird höchste Zeit, dass ich meine Leseeindrücke hier wieder öffentlich mache! Und nun habe ich auch ein Buch gefunden, dass es wert ist, nach der langen Pause hier vorgestellt zu werden.

In den USA hat die Autorin (sofern es eine AutorIN ist) für ordentlich Furore gesorgt, und seit bekannt ist, dass im Herbst der erste Teil auf Deutsch erscheinen wird, kocht auch hierzulande die Gerüchteküche nach der Identität des Verfassers und der Hype wird angeheizt.

Aber nun zu meinem Gesamteindruck dieser Reihe:

Die Geschichte beginnt in den fünfziger Jahren in Neapel. Zwei Mädchen wachsen in ärmlichen Verhältnissen auf, sie werden Freundinnen – wobei schon zu Beginn klar ist: eine einfache Freundschaft ist das nicht, da ist sehr viel Neid, Missgunst, Eifersucht im Spiel, und immer auch das Streben danach, die andere zu übertrumpfen.

Beide Mädchen sind ungewöhnlich gute Schülerinnen. Lila vor allem glänzt durch extrem rasche Auffassungsgabe. Gegen den heftigen Widerstand der Eltern erreicht die Ich-Erzählerin, Elena, es, weiter zur Schule gehen zu dürfen. Lila hingegen verlässt die Schule nach der 5. Klasse und hilft zu Hause, in der kleinen Schusterei ihres Vaters, in der schon ihr Bruder (ohne Bezahlung) arbeitet.

Auf der einen Seite erleben wir dann den sozialen Aufstieg Elenas, die studiert, die Stadt verlässt, einen Professor aus angesehener Familie heiratet, als Schriftstellerin sehr erfolgreich wird.

Auf der anderen Lila, die immer in Neapel bleibt, dabei aber immer wieder auch zeigt, dass sie auch ohne Schulbildung in der Lage ist, Dinge zu verändern und sich selbst weiterzubilden.

Wesentliche Faktoren in der Handlung sind:
- die Liebe, na klar, und hier vor allem immer wieder Nino Sarratore, der die Freundschaft der beiden mehr als einmal strapaziert (diesen Aspekt fand ich zwischendurch immer wieder auch hoch anstrengend, vor allem, weil ich als Leserin viel früher gesehen habe, aus welchem Holz der Knabe geschnitzt ist und sein Charme auf mich nicht gewirkt hat)

- die gesellschaftliche Entwicklung in Italien
Dieser Aspekt hat mir zahlreiche Längen der Romane versüßt. Ich fand es spannend, die Umbrüche mitzuerleben, die hier im Kleinen geschildert werden, auch, wie sich der Widerstand radikalisiert. Das war für mich ausgesprochen gut geschildert

- Die Stellung der Frau
Auch dieser Aspekt wurde finde ich sehr interessant dargestellt. Die neuen Möglichkeiten, auch als Frau erfolgreich zu sein im Gegenzug dazu, dass sie trotzdem ganz selbstverständlich für die Familie zurückstecken sollen; eine Falle, in der sich auch heute noch trotz anscheinend engagierter Männer immer noch viel zu viele Frauen wiederfinden
Dafür alleine hat sich die Lektüre der 4 Bände für mich schon gelohnt!

Es ist ein blutiges, teilweise brutales Panorama, das man hier geboten bekommt. Es gibt jede Menge Todesfälle, an Gewalt wird nicht gespart.
Es hat teilweise doch deutlich Seifenopern-Charakter, wenn Lila selbstverständlich für jeden Mann unwiderstehlich ist (das hat mich vor allem im zweiten Band genervt).

ferrante2
Insgesamt ein lebenspralles Stück Literatur – ob es den großen Hype rechtfertigt, möchte ich nicht beurteilen, immerhin hat es ausgereicht, mich neugierig zu machen und dann auch 4 Bände hintereinander weg lesen zu lassen.

Zum großen Rätsel darum, wer hinter dem Pseudonym Elena Ferrante steckt: rätstelt ruhig weiter. Es interessiert mich nicht. Denn ich kenne die Szene in Italien ohnehin nicht, und finde viele Kommentare von deutschen (Möchtegern)Kritikern, die sich nun darüber auslassen, eher lächerlich, weil ich den Eindruck habe, dass sie auch nicht viel mehr Hintergrundwissen haben als ich…

Aber ich habe diese 4 Bücher mit viel Vergnügen und Spannung, viel Anteilnahme gelesen bzw. gehört (hervorragend gelesen von Hilary Huber) – wer Familiengeschichten vor Zeitpanorama mag, wird sicher seine Freude daran haben. Anspruchsvollere Unterhaltungsliteratur.

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