Klaas Huizing – Das Buch Ruth

ruthDie erste gemeinsame Aktion war ein Liederabend, um gegen die Verwendung von Weihnachtsbäumen zu protestieren. Und eigentlich hätte Ruth schon hier merken können, dass bei Georg gegen etwas protestieren noch lange nicht hieß, auch selber danach zu leben; denn bei seinen Eltern prangt natürlich stolz eine große Tanne. Es wäre nur seiner Mutter wegen, erklärt er ihr.

Und wie auch in den vielen Jahren, die noch folgen sollten, lässt Ruth sich von Georgs Argumenten einwickeln. Verzeiht ihm. Verzeiht ihm auch, dass er sie dann, als sie zu studieren beginnen, verlässt, um “andere” Erfahrungen zu sammeln. Verzeiht ihm, dass bei all den Aktionen, mit denen sie sich gemeinsam in der Friedensbewegung engagieren, immer er die Lorbeeren einheimst, während sie mit dem Großteil der Arbeit belastet wird.

Sie steckt auch zurück, als es darum geht, wer von ihnen beiden denn nun promovieren kann; schließlich ist mittlerweile auch ein Kind da, muss jemand die Familie ernähren. Ihr Engagement bleibt; in ihrer neuen Pfarre organisiert sie Familienhilfsgruppen, beherbergt Kinder aus Tschernobyl, ist rund um die Uhr aktiv. Und Georg? Georg steht nach wie vor im Mittelpunkt – er arbeitet mit der Presse, nutzt nach wie vor jede Gelegenheit, fremd zu gehen; bis er eines Tages zu weit geht. Und deshalb nun im Krankenhaus liegt …


Es sind nur 10 Jahre, die mich von der in diesem Buch geschilderten Generation trennen. 10 Jahre – und doch: so viel Zeit. Auch wenn man ganz davon absehen würde, dass “Das Buch Ruth” eine äußerst sensible Schilderung einer Beziehung, der Entwicklung einer jungen Frau ist; es wäre schon alleine deshalb lesenswert, weil es eine ganze Bewegung mit ihren Beweggründen, ihren Hoffnungen und Idealen wieder auferstehen lässt.


Aber, wie bereits angedeutet: dieser Roman überzeugt vor allem auch, weil die Protagonisten in ihrer Vielschichtigkeit, in ihrer sehr schmerzhaften Beziehung zueinander sehr überzeugend dargestellt werden. Ein Roman, der mich sehr positiv überrascht hat, ein Autor, den ich mir merken werde – kurz: ein Buch, das ich gerne weiterempfehle!

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