Daniel Glattauer – Geschenkt

glattauerUnd plötzlich ist man Vater eines Sohnes. Eines vierzehnjährigen Sohnes. Der nichts davon wissen soll, dass er der Sohn ist – aber weil die Kindsmutter für ein Jahr nach Afrika geht um dort die Welt ein bisschen besser zu machen, braucht sie kurzfristig jemanden, der das gar nicht mehr so kleine Kind nachmittags unter seine Fittiche nimmt.

Für Gerold Plassek erweist sich diese Wendung als schicksalshaft. Er, der jeden Abend mit zweifelhaften Freunden in der Bar versumpft, der in seinem Leben nichts auf die Reihe kriegt und seit seiner Scheidung nur durch Ex-Schwiegervaters Gnaden in einer Gratiszeitung für die Kurzmeldungen in der Rubrik “Soziales” zuständig ist, wird plötzlich ein wenig aus seiner Komfortzone gerissen.

Aber mehr noch als diese Begegnung ist es ein anderer Umstand, der zu Neuerungen führt. Ein Wohltäter hat sich eine seiner Meldungen ausgesucht, um einen Umschlag mit Bargeld einer der Einrichtungen zukommen zu lassen, über die er berichtet hatte.

Die Geschenke wiederholen sich. Stets wird eine Meldung von Plassek verwendet – und der Spender will anonym bleiben. In Plassek werden längst verschüttet geglaubte moralische Prinzipien wieder zum Leben erweckt – und Stück für Stück bröckelt das alte Leben weg und wie Phönix aus der Asche erschafft er sich selbst neu.

Zu Beginn hatte ich mich ausgesprochen schwer getan mit diesem Buch. Glattauer hat einen sehr behäbigen Charme entwickelt, der auf viele Leserinnen sehr anziehend wirkt, mich hier aber so gar nicht erreichen wollte; und dass ich Plassek beim besten Willen nicht sympathisch finden konnte verstärkte mein Unbehagen noch. Die Geschichte über den anonymen Spender (dessen Identität ich trotzdem schon recht bald erraten hatte) riss mich auch nicht wirklich vom Hocker… und doch fühlte ich mich nach einer Weile zumindest gar nicht mehr so schlecht unterhalten und habe es fast schon gerne zu Ende gelesen. Kein Buch, das man gelesen haben muss, auch für Glattauer Fans, aber auch nicht der Flop, den ich anfangs erwartet hatte.

4 Gedanken zu “Daniel Glattauer – Geschenkt

  1. Wer ist der anonyme Spender? Die Mutter oder der Wirt, die Spuren verwischen sich und sind glaube ich nicht wirklich auflösbar. Wie sind Sie da gleich vom Anfang an auf die Spur gekommen?

    • Der Wirt ist der Spender, das sagt er ganz klar am Ende des Buches, als er sich dort betrinkt – mit dem Nachsatz: sofern du dich morgen früh noch dran erinnern kannst…
      ;-D

  2. Aber ganz logisch ist das ja nicht, weil er ja nichts mit der Vergangenheit, dem trinkenden Vater etc zu tun hat oder habe ich da etwas überhört? Und was wäre die Intention, heimlich die vielen Trinker retten, die sich bei ihm betrinken?
    Ich bin eher zu dem Schluß gekommen, daß die Fährten so gelegt wurden, daß sie sich nicht wirklich logisch auflösen lassen, aber spannend ist zu sehen, wie man da in das Raten hineinkommt, denn ich lese jetzt schon zum zweiten Mal, das hätte jemand gleich erraten.
    Mir ist es dabei ganz anders gegangen. Auch das ich zuerst von dem Buch und der Figur des Helden sehr begeistert war und später das Ganze etwas Überzogen und Unlogisch fand.
    Liebe Grüße aus Wien

  3. Hallo Eva, ich bin gespannt, wie es dir am Ende des zweiten Durchgangs geht. Für mich war die Erklärung ja schon recht eindeutig.
    Die erste Spende stammt von der Frau, das wird ja auch rasch aufgeklärt.
    Und der Wirt wollte ja eigentlich auch gar nicht erkannt werden. Aber er sagt ja selbst: er hat keine Kinder, und was er braucht, verdient er sich schon, Reserven sind also nicht nötig. Er will damit (was ich auch nicht ganz logisch finde, aber immerhin…) seinem Stammgast auf die Beine helfen, in dem er noch Potential sieht und bei den es ihn ein wenig bekümmert, dass er sein Leben so verschwendet und versäuft. Das sind im Prinzip die letzten 3 Seiten…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>