Jean-Philippe Blondel – Zweiundzwanzig (Et rester vivant)

blondelIch zermartere mir seit Tagen den Kopf, in welcher Literatursendung ich auf dieses Buch aufmerksam wurde. Es war jedenfalls etwas, das ich nur so nebenbei gesehen hatte – ein Mann erzählte davon, dass er im Alter von zweiundzwanzig Vollwaise war, weil er erst seine Mutter und den Bruder, dann vier Jahre später seinen Vater durch einen Autounfall verloren hatte. Mir war in Erinnerung geblieben, dass er von sich wie von einem Romanhelden sprach – und dass man einer Romanfigur solche Schicksalsschläge nicht zumuten würde, weil es keiner glauben würde.

Nun fand ich das Buch zufällig in der Onleihe, habe es kurzentschlossen ausgeliehen und auch gleich gelesen (ist ja nicht besonders umfangreich).

Zu diesem Buch gibt es auch einen Soundtrack, der eine nicht unerhebliche Rolle spielt:
Lloyd Cole – Rich https://www.youtube.com/watch?v=xEmlVhEnIpc

Der Ort, der in diesem Song besungen wird, Morro Bay, wird zum Sehnsuchtsort des Erzählers, und nachdem er die väterliche Wohnung verkauft hat, geht er kurzerhand mit seiner (Ex?)Freundin und dem besten Freund (und neuen Freund von Laure) auf eine Reise nach Kalifornien.

An sich gibt es viele Punkte, die mir eher negativ aufgefallen sind. Trotz der Kürze gibt es etliche Wiederholungen und Zusammenfassungen, als könnte man sich Sachverhalten nicht einmal über die paar Seiten merken; dazu kommt, dass die Sprache nicht nur sehr nüchtern und prosaisch ist, sondern mich auch sonst nicht überzeugt. Zu kalt, zu einfach, mir fehlte ein gewisser Klang.

Aber dann gibt es in diesem schmalen Band immer wieder Momente, in denen er so eindringlich das Verlorenheitsgefühl beschreibt, das diesen jungen, nun wurzellosen Menschen ergriffen hatte, die Schuldgefühle, weil er überlebt hatte, die Wut auf den Vater, und natürlich auch die Einsamkeit, die er trotz der Nähe zu seinen Freunden verspürt,

Auf Französisch lautet der Titel “Und am Leben bleiben” – das trifft es ganz gut. Im Laufe des Buches kommt die Trauer, die erst verdrängt wurde, immer wieder hoch, und der Autor findet Worte dafür, die mich sehr berührt haben.

Nun bin ich gespannt darauf, auch andere, nicht autobiographisch geprägte, Werke von ihm zu lesen…

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