Bernhard Schlink – Die Frau auf der Treppe

SchlinkTreppeUm Bernhard Schlimm ist es nach seinem großen Erfolg mit dem “Vorleser“ und den “Selb-Krimis“ in gewisser Weise soll geworden. Er konnte mit keinem seiner Bücher, die darauf folgen, an den großen Erfolg anschließen – und ich wage die Prophezeiung, dass es ihm mit diesem Buch erst recht nicht gelingt.

Als treue Leserin habe ich auch alle anderen Werke gelesen – mit unterschiedlicher Begeisterung. Ich mochte die Heimkehr, weniger seiner Erzählungen, auch der RAF-Roman das Wochenende war interessant.

Doch dieser neue Roman hat mich ziemlich enttäuscht.

Es geht, kurz gesagt, um einen Mann, einen mittlerweile verwitweten Anwalt, der zufällig in Australien in einem Museum ein Bild hängen sieht, das in seinem jungen Jahren in seinem Leben für viel Aufregung gesorgt hatte. Ein reicher Frankfurter hatte das Bild gekauft und war darüber im Streit mit dem Maler gekommen, weil er dem Bild Schaffen zugefügt haben sollte. Doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes: die Frau, die auf dem Bild zu sehen ist, wie sie nackt eine Treppe hinunter geht. Diese Frau zieht sich unseren Anwalt sofort in ihren Bann, und als die Männer ihn dazu überreden, einen sittenwidrigen Vertrag aufzusetzen, warnt er sie und Word zum Komplizen eines Bilderraubes. Danach hört er nur wieder von ihr.

Bis zu dem Zeitpunkt, als er das Bild sieht. Er macht ihre Adresse ausfindig, d.Ä. älter zu ihr. Aber nicht nur er kommt: auch die anderen beiden Männer sind kurz darauf zur Stelle und wollen Antworten haben.

Und der Anwalt? Der bleibt auch noch, als die anderen weg sind, und in der Pflege und Fürsorge, die er fordert Frau angedeihen lässt, erkennt er die Versäumnisse,c die er gegen seine eigene Familie begangen hat.

Diese Rückblenden und Erkenntnisse haben mir am diesem Buch noch mit am Besten gefallen, die wirken als Einziges auf mich authentisch und lebendig. Ansonsten war mir die Konstruktion des Plots viel zu sehr an den Haaren herbei gezogen. Das alleine wäre noch nicht schlimm gewesen, aber ich wurde beim Lesen den Eindruck nicht los, der Autor hätte selbst nicht so genau gewusst, was er eigentlich erzählen, geschweige denn sagen wollte. Dass ich auch in diesem Roman Passagen gefunden habe, die mich ansprachen, zeigt allerdings eher von meiner Neigung zu diesem Autor als zum Roman selbst. Von mir keine Empfehlung.

 

 

2 Gedanken zu “Bernhard Schlink – Die Frau auf der Treppe

  1. Liebe Daniela,

    zunächst ging es mir ähnlich wie Dir. Doch nach nochmaligem Blick auf einzelne Sätze, die mich immer wieder in die Gedanken des Ich-Erzählers hineinzogen, dachte ich wie Du, “Doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes”. Allerdings in meinen Augen um Alter, Erinnerung, die Unveränderbarkeit des Geschehenen, Schuld und den Frieden mit Allem. Die Frau auf der Treppe trägt nicht ohne Absicht den Namen “Irene”.
    So habe ich diesen Roman gelesen, der mir gut gefallen hat.

    • Liebe Atalante,
      sorry für die späte Antwort!!!
      Hm. Ja, Erinnerung, Frieden mit allem – kann ich schon nachvollziehen. Aber was hat es mit der “Irene” auf sich?
      Für mich funktioniert der Roman leider auch nach nochmaligem Reinlesen nicht…

      LG; Daniela

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