Immer noch Open City. Und Zweifel. Lieber doch Knausgard?

diversesIch habe noch bis nächsten Donnerstag Zeit, um meine offene Stadt zu Ende zu lesen. Das sollte kein Problem sein, 80 % habe ich bereits gelesen – und dass ich (für meine Begriffe) so langsam vorankomme, liegt nicht daran, dass es so schwer zu lesen wäre.

Es fesselt mich schlicht nicht genug. Dabei könnte ich nicht sagen, dass es mir missfällt. Im Gegenteil. Ich finde manche seiner Beobachtungen richtig schön; der junge Mann, der dem Obdachlosen die Zehennägel schneidet, das ist zum Beispiel so ein Bild, das sich richtig festsetzt, so wie er es beschrieben hat.

Ich glaube, ich käme gut damit zurecht, wenn der ganze Roman eben kein Roman, sondern ein richtiges Flaneurbuch wäre. Ein Buch, in dem ich eine Beobachtung nach der anderen finde und mich beim Lesen daran freue. Aber hier ist ja trotz allem auch noch eine Handlung dabei.

Und mit der habe ich so meine Probleme. Dieser Julius bleibt mir nicht nur fremd, das größte Problem ist: ich kaufe ihm viele seiner Begegnungen, die hier geschildert werden, so nicht ab. Es wirkt aufgesetzt auf mich, vor allem die Dialoge, wie sie dann niedergeschrieben wurden.

Aber noch bleibt mir sowohl Zeit, für mich selbst zu reflektieren, als auch mich auf die Diskussion in meiner Gruppe zu freuen.

Dann steht es mittlerweile endgültig fest, dass Stefan Zweifel nicht mehr beim Literaturclub erscheinen wird. Ich hatte dem Sender geschrieben, weil ich meinen Unmut einfach auch kundtun wollte, und darauf sogar eine Antwort erhalten, der sinngemäß zu entnehmen ist, man habe beim Sender keine Fehler begangen und bedaure es zwar, Zweifel nun gehen lassen zu müssen, im Prinzip sei er aber selber schuld. Irgendwie ist die ganze Sache immer noch unschön.

Anyway – die nächste Sendung ist schon angekündigt, und als Gastmoderator wird Rainer Moritz einspringen, der schon für Safranski damals aufgetreten war (und mir sehr gut gefallen hatte.)

Ich hoffe sehr, dass Zweifel jetzt nicht komplett von den Fernsehbildschirmen verschwindet. Ich würde seine klugen Bemerkungen gerne weiter hören.

Auch im deutschen Fernsehen gibt es ja Änderungen bei den Literatursendungen – Thea Dorn kann sich mit dem neuen lesenswert-Format nicht so recht anfreunden und steigt darum aus. Ich kann sie verstehen. Ich fand das Alte auch deutlich besser. Auch hier: hoffentlich heißt das nicht, dass sie nun auch beim zweimal jährlichen Quartett nicht mehr zu sehen ist!!!

Aber da Denis Scheck ihre Rolle übernimmt (was ich mir noch nicht so recht vorstellen kann) ist es durchaus vorstellbar, dass sie für diese Gespräche weiterhin eingeladen wird. Oder zieht man da jetzt Zweifel hinzu? Anstelle von Mangold? Wäre auch eine spannende Lösung.

Und zu guter Letzt, nachdem ich ja mit meiner aktuellen Lektüre nicht so ganz glücklich bin, weiß ich zumindest schon sicher, worauf ich mich als nächstes stürze. Knausgard! Dieses Interview hier im New Yorker, das zur Zeit nachzuhören ist (dauert etwa eine halbe Stunde) hat mir wieder so richtig Lust gemacht, den dritten Band, den ich mir in meiner Unlustphase aufgespart hatte, nun zu lesen. Gerade passend zum Erscheinungstermin des vierten, mit dem ich dann gegebenenfalls nahtlos fortsetzen kann…

Man erfährt als Knausgard-Leser nicht viel Neues in diesem Gespräch. Aber es erhellt nochmal die Punkte, die es für mich so spannend machen, diesen Autor zu lesen. Daher: Schluss für heute, euch allen ein wunderbares Pfingstfest bei herrlichem Wetter, gehabt euch wohl und allzeit ein gutes Buch wünscht Daniela.

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