Christian Kracht – Imperium. Lese- und Lesegruppeneindrücke

2014-05-15 21.00.10Berge an Chips und Rotwein waren nötig, um über dieses Buch von Christian Kracht zu streiten, das auch in unserem kleinen Kreis einen erregten Austausch hervorrief.

Worum es bei Kracht geht, ist ja hinreichend bekannt. Ein junger Mann, den es tatsächlich gab, namens August Engelhardt, sucht sein Heil in der Kokosnuss. Da gleich zu Beginn eine Anspielung auf “einen anderen Vegetarier, der besser bei seinen künstlerischen Ambitionen geblieben wäre” gemacht wurde, gab es einen schönen Aufhänger, um Kracht in die rechte Ecke zu stellen (Link zum Spiegel-Artikel).

Ich habe den Roman bereits vor zwei Jahren, also etwa zum Erscheinen des Artikels, schon gelesen – er hatte mir schon damals nicht gefallen. Der Autor hat es mit seiner geschwollenen Sprache, die sich vor allem durch hohen Fremdwortgebrauch, sprachlich an die Zeit anbiedern, und so manche andere Worthülse als Füllmittel für einen in meinen Augen recht spärlichen Plot nicht geschafft, mich für seine Figuren und seine Geschichte zu überzeugen.

Vor zwei Jahren hatten wir das Buch im Leselust-Forum kurz besprochen, an dieser Stelle möchte ich auch auf die Rezension von Atalante hinweisen, die eine wesentlich bessere Meinung dazu hat.

Ich hatte es tatsächlich versucht, das Buch, das mir schon beim ersten Mal nicht gefallen hatte, noch einmal zu lesen, bin aber diesmal nach etwa 30 Seiten gescheitert. Ich wusste ja, was mich erwartet, nämlich nochmal 300 Seiten dieses Sermons, und darauf hatte ich keine Lust mehr. Die spontane Detailerinnerung an dieses Buch? Sehr einfach. “Ohrenschmalz und Eitergrind, der gegessen wird.”. Mein unmittelbarer Gedanke war an das angeekelte Schütteln, das mich bei diesem Buch tatsächlich  mehrfach gepackt hat. Dabei bin ich, wie mir ja auch in der Lesegruppe dann wieder “vorgehalten” wurde, durchaus Brutales gewöhnt, da ich ja auch genügend Krimis lese.

Am meisten gestört hat mich jedoch die Sprache und das Fehlen einer gewissen Empathie des Autors mit seiner Figur, die auch mir die Beweggründe und das Innenleben ein wenig näher gebracht hätte.

In unserer Diskussion am Donnerstag sind dann auch Welten aufeinander getroffen. Während es LeserInnen gab, die sich köstlich amüsiert haben, die die Sprache genossen und immer wieder so hübsche ironische Anmerkungen auf dies und jenes gefunden haben, gab es vor allem eine ganz vehemente Gegenstimme, die das Buch in Grund und Boden stampfte. Er nahm es dem Autor sichtlich übel, dass er mit seinen Anspielungen dann nicht mal genau war, hat auch diese Verknüpfung zu Hitler auf schöne Weise zerpflückt, die Sprache ein wenig auseinander genommen – kurzum, meiner Meinung nach konnte man danach eigentlich nicht mehr guten Gewissens sagen, man habe ein gutes Buch gelesen…

Auf jeden Fall hat dieser Abend bei mir dazu geführt, dass ich wieder mehr Lust auf “Literatur” und die Auseinandersetzung darüber bekommen habe. Auch wenn ich nicht in der Lage bin, alles wiederzugeben, was an diesem Abend so diskutiert wurde – es hat Spaß gemacht, es war kontrovers, es war anregend.

Und daher kann ich allen, die schon verzweifeln, dass ich für Bücher abseits von Krimis auf Dauer verloren bin, Hoffnung machen: am 12. Juni treffen wir uns wieder und werden über Teju Cole – Open City sprechen. Da das Treffen bei mir stattfinden wird, sollte ich das Buch vorher also auch lesen (gekauft ist es schon) und werde mit etwas Glück auch hier darüber berichten.

2 Gedanken zu “Christian Kracht – Imperium. Lese- und Lesegruppeneindrücke

  1. Mehr über das Leben, den Kokovorismus-Kult und die Schriften von
    August Engelhardt, der historischen Hauptperson im Roman “Imperium”
    von Christian Kracht, erfahren Sie in dem Buch

    Hoch der Äquator! Nieder mit den Polen! Eine sorgenfreie Zukunft im
    Imperium der Kokosnuss, ISBN 978-3848204427.

    Einfach nach “Kiepenkracher” im Internet suchen.

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