Siri Hustvedt – Was ich liebte (What I Loved)

wasichliebteZu Beginn verbindet den Erzähler dieser Geschichte vor allem die Nachbarschaft mit Bill; bald wird daraus eine intensive Freundschaft, die auch die beiden Frauen, Erica und Violet, mit einschließt, und sich auch auf die Kinder ausdehnt. Bills Sohn Marc lebt meist bei der Mutter; Violet und er versuchen schon länger erfolglos, noch ein zweites bzw. erstes Kind zu bekommen.

Die Freundschaft der beiden Paare beruht nicht zuletzt auf einem intensiven Austausch über Kunst; Bill ist Installationskünstler, die Beschreibung seiner Werke nimmt einen großen Raum in diesem Buch ein. Violet schreibt an einer Arbeit über Hysterie im 19. Jahrhundert, einer Zeitströmung, die weder davor noch danach so intensiv beobachtet wurde.

Die Idylle dieses Lebens wird nachhaltig gestört, als Matt, der Sohn des Erzählers und Ericas, im Sommercamp durch einen Unfall stirbt. Die Trauer des Paares mitzuerleben, zu sehen, wie sich dadurch auch die Freundschaft zum anderen Paar ändert, wieviel Hilfe daraus gezogen wird, und wie doch nicht geholfen werden kann, gehört für mich zum Berührendsten, das ich jemals über Erwachsenenfreundschaft in einem Roman gelesen habe.

Die Beziehung mit Erica verkraftet den Schmerz nicht gut; das Paar kann nicht weiter zusammen leben, sich in seinem Kummer keinen rechten Trost bieten.

Wie in echten Freundschaften auch unterliegt auch diese hier einer natürlichen Wellenbewegung. Der Zeit, da sie sich täglich sehen, weicht eine, in der der Kontakt loser wird, die Interessen auf andere Gebiete ausgedehnt werden. Dennoch reißt der Kontakt nicht ab, und nach Bills überraschendem Tod übernimmt der Erzähler eine Art Vaterrolle für den nun vaterlosen Marc.

Ebendieser Marc zeichnet sich durch eine Eigenschaft aus, die, je älter der Junge wird, umso deutlicher zu Tage tritt: einen völligen Mangel an Gewissen. Marc lügt, stiehlt, betrügt, gleitet immer weiter ab – und das trotz der liebevollen, besorgten Hilfsversuche seiner Eltern. Bis es eines Tages einen Schritt zu weit geht…

“Was ich liebte” ist ein Ausnahmeroman – eines von den Büchern, deren Inhalt man auch noch Jahre später völlig präsent hat, vor allem, welche Emotionen es beim Lesen ausgelöst hatte. Es ist ein unglaublich vielschichtiger, tiefsinniger Roman – eine unbedingte Empfehlung!

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