Christina Stead – Der Mann, der seine Kinder liebte (The Man Who Loved Children)

stead“Schlachthaus Familie” verkündet der Klappentext; von einem Buch wie von einem “Schwarzen Diamanten” ist hier die Rede, das eine Art schmerzhafter Besessenheit ausstrahle, der man als Leser nicht immer freudig, sondern öfter auf verzweifelt verfalle – aber eben doch verfalle. Und ausnahmsweise kann ich mich dieser Schilderung aus ganzem Herzen anschließen: was für ein schreckliches und dabei doch nachhaltig beeindruckendes Buch!

Die eigentliche Geschichte, wiewohl auf knapp 600 Seiten ausgebreitet, ist kurz erzählt: eine junge Frau aus besserer Gesellschaft heiratet einen verwitweten Emporkömmling mit Tochter, bekommt noch 6 weitere Kinder mit ihm, und bildet mit diesem Mann eine Gemeinschaft des Grauens. Er, Sam, sieht sich selbst als Kinderliebhaber, als Führer und Verführer, als großen Idealisten, der mit seinen Schmeicheleien, Spöttereien und grausamen Unterdrückungen die Familie fest im Griff hält; sie dagegen droht, schlägt, und versucht verzweifelt, sich aus dieser Falle zu befreien, was ich nicht gelingt.

Nach den ersten Seiten dachte ich noch: ich muss mir das nicht antun. Die Kindersprache, die Sam über große Strecken verwendet, wenn er mit seinen Kindern spricht, die absolute Trostlosigkeit und Ausweglosigkeit, die sich schon auf diesen wenigen Seiten breitmacht und bis zum Schluss immer noch dichter wird – all das stieß mich ab, und zog mich gleichzeitig magnetisch an.
Dieser Roman geht unter die Haut – ein beklemmendes Meisterstück.

In der Kritik bei amazon steht zu lesen – und aus noch irgendeiner, mir leider nicht mehr auffindbaren Quelle hatte ich die Info auch noch – dass die Autorin dieses Buch bereits in den 30ern geschrieben hätte (soviel stimmt), der Schauplatz aber Australien, Melbourne, wäre.

Ganz so ist es nicht; die Autorin hat wohl sehr viele autobiographische Elemente hierin verarbeitet, vor allem die Grausamkeiten wurden nicht erfunden; es erschien erstmals 1940, geriet rasch in Vergessenheit und wurde erst in den 60er Jahren wieder aufgelegt, worauf es ein großer Erfolg wurde.

Ich habe selten so wenig Sympathie für einen der Protagonisten aufgebracht, und konnte doch die dunkle Anziehungskraft, die von den beiden Elternteilen ausging, nur zu gut nachvollziehen.

Kein schönes, aber ein sehr sehr beeindruckendes Buch – eine Empfehlung!

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