Theodor Fontane – Effi Briest

effiebriestDie Geschichte ist ja bekannt: Effi Briest, einziges Kind, wird sehr jung mit Baron von Instetten verheiratet. Diesen Baron kannte ihre Mutter schon als sie selbst jung war, ja, es war sogar die Rede davon, dass sie beinahe geheiratet hätten.

Sie kennen sich kaum, Effi und der so viel ältere Baron; Effi ist noch beinahe ein Kind, ist wild und lebhaft und genießt zu Hause in Hohenkremmen die Gesellschaft ihrer Freundinnen. Doch damit wird es nun ein Ende haben, denn der Baron lebt in einer kleinen Stadt weit weg in Pommern; einer Stadt, in der der gesellschaftliche Verkehr stark eingeschränkt sein wird.

Und richtig fühlt sich Effi denn auch ein wenig einsam da oben; ihr Mann arbeitet die meiste Zeit und hat, bei aller Liebe, auch nicht die Augen dafür, dass ihr etwas fehlen könnte. Zudem fürchtet sie sich in dem kleinen, verwinkelten Haus, in dem es angeblich sogar spuken soll.

Als dann bald die Tochter Annie geboren wird und sie außerdem noch eine Kinderfrau findet, die ihr von Herzen zugetan ist – da scheint alles gut zu werden.

Aber da gibt es noch Major Krampas, ein Major außer Dienst, dem man so etliche Frauengeschichten nachsagt – und fast gegen ihren Willen sieht Effi sich dann auch selbst in eine Affäre mit ihm verwickelt.

Wie gut, dass Instetten zu der Zeit befördert wird, dass sie nach Berlin ziehen können; ihr Leben wird leichter, und durch die Krise, die sie durchgemacht hat, weiß Effi auch ihren Instetten nun ganz anders zu schätzen.

Alles ist lange her, lange vergessen – als Instetten zufällig auf ein paar alte Briefe stößt, die Effi dummerweise aufbewahrt hat. Briefe von Krampas.
Und Instetten ist ein Mann, dem Ordnung und Fassade alles ist – auch wenn es so lange her ist, dass er selbst zweifelt, auch wenn er Effi wirklich liebt, für ihn gibt es nur eine mögliche Entscheidung: ein Duell.

Es findet statt, Krampas fällt. Und Effi? Sieht er nicht wieder, von ihr lässt er sich scheiden, nimmt ihr die Tochter weg. Auch die Eltern sagen sich von Effi los, deren Handeln sie zutiefst missbilligen. Nur Roswitha, die treue Seele, kündigt bei Instetten, obwohl sie damit auch ihr heißgeliebtes Anniechen aufgeben muss, und lebt fortan mit Effi.

Effis Leben ist eigentlich mehr ein Vegetieren. Sie hat keinerlei gesellschaftlichen Umgang, selbst karitatives ist ihr nicht gestattet. SIe vermisst ihr Kind, ihre Eltern, und weiß doch: es ist ihre Schuld allein.

Als sie drei Jahre später ihre Tochter wiedersieht und merken muss, wie sehr sie ihr entfremdet wurde, wird sie, die ohnehin nie besonders kräftig war, von einem Nervenleiden niedergestreckt. Und nun endlich holen die Eltern sie heim, wo sie dann einige Monate später stirbt.

Ich habe das Buch bereits mehrmals gelesen; aber noch nie hat es mich glaube ich so gefesselt, so berührt wie bei diesem mal, als ich es nicht selbst gelesen, sondern mir von Udo Samel habe vortragen lassen.

Er ist ein großartiger Hörbuchsprecher, das habe ich bereits beim “Zauberberg” gemerkt. Und: er wurde für diesen Autor hervorragend ausgewählt! Es passt einfach zusammen, diese gediegene, langsame Erzählweise, die kultivierte Sprache, das etwas Getragene – und die Stimme eines reifen Mannes, der all das auch verkörpert.

Dass Fontane selbst ein wunderbarer Chronist seiner Zeit ist, und mit Effi Briest eine sehr detaillierte Gesellschaftsstudie liefert, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Ich fands großartig – und bin darüber hinaus auch begeistert von der wunderbaren Ausstattung, mit der Argon diese Reihe versieht. Ein schöner Karton als Verpackung, ein gutes Beiheft, und – was mich natürlich besonders begeistert: eine MP3-CD, die einen die Arbeit des Rippens für den Player erspart.
Ich werde aus dieser Reihe sicher noch mehr Titel hören!

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