Eberhard Rathgeb – Kein Paar wie wir

rathgebNein, ein alltägliches Paar sind sie nicht, die beiden Schwestern Ruth und Vika. Keine Männer, keine Kinder, keine Liebschaften – nur zwei Frauen, die ihr ganzes Leben miteinander geteilt haben. In Deutschland geboren, sind sie in den Dreißiger Jahren mit den Eltern nach Buenos Aires ausgewandert. Während der Vater dort erfolgreich war, verkümmerte die Mutter, versank in ihren Depressionen. Die Töchter werden streng gehalten, haben kaum Freiheiten – und doch gelingt ihnen der Absprung.

Ruth ist die Erste, sie macht sich auf nach New York, Vika kommt zwei Jahre später nach. Ihre Sprachkenntnisse kommen den Schwestern zu Gute, sie sind beruflich erfolgreich, sie werden durchaus auch umworben, doch kein Mann kann das verheißen, was sie sich gegenseitig sind.

Im Alter sind sie wieder in Buenos Aires. Als die Eltern alt wurden, ihre Pflege brauchten, kamen die Töchter klaglos wieder zurück, obwohl es nicht Liebe, sondern Pflichtbewusstsein war, was sie zurückkehren ließ. Glück? Das gibt es nun wieder, seit die Eltern tot sind, die Töchter alleine in einer schönen Wohnung in einem guten Viertel leben. Sie verbringen ihre Tage gemeinsam, sie erzählen sich täglich aufs Neue gegenseitig ihr Leben, das sie doch stets geteilt hatten…

kurzum, das war der Teil, an dem mir das kurze Büchlein dann doch ein wenig zu lang wurde. Mich hat aber vor allem die formale Konstruktion der Erzählung angezogen.Dieses sehr gemächliche immer wieder erzählen des gemeinsam Erlebten, dieses sich vergewissern, dass die Erinnerung auch zutrifft, dass die eigenen Entscheidungen richtig waren, dass Bedauern nicht angesagt ist.

Ich bin auf dieses Buch nur aufmerksam geworden, weil es den Aspekte Literaturpreis 2013 erhalten hatte. Und neugierig gemacht hatte mich auch die Tatsache, dass es sich bei Eberhard Rathgeb um den Ehemann der bekannten Literaturkritikerin Iris Radisch handelt.

Im Video (-Link) erzählt Rathgeb, dass er selbst seine Kindheit in Argentinien verlebt hatte, und erst spät den Wunsch verspürte, noch einmal zurück zu kehren. Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn es keine bleibenden Spuren bei mir hinterlassen hat.

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