Tobias Wolff – Alte Schule (Old School)

wolffalteschuleDas Internat gilt als eines der Besten an der Ostküste. Als besondere Auszeichnung wird dreimal jährlich ein Schriftsteller eingeladen, an der Schule zu lesen – und dem Verfasser der besten literarischen Arbeit eine Privataudienz zu gewähren.
Der sich daraus entspinnende Wettstreit wird zwar hart, aber immer im Rahmen der Schultugenden ausgetragen – bis bekannt wird, das Hemingway kommen soll. Dieser Autor, Held und Vorbild der Jungen, schafft durch seine bloße Ankündigung, dass die moralischen Grundwerte der Schule zutiefst erschüttert werden.

Das Setting: ein Internat, eine Privatschule, entsprechend auch hauptsächlich besucht von Söhnen wohlhabender Eltern, die sich aber immer stärker auch für Stipendiaten öffnet. Auch wenn die Herkunft an sich keine Rolle spielt, wird sie doch durch kleine Merkmale spürbar, durch die Sicherheit, die einige Jungen gerade auch aufgrund ihrer Klassenzugehörigkeit mitbringen. Weiterlesen

Per Petterson – Pferde stehlen (Ut og staele hester)

pferdestehlenIm Dorf fängt man langsam an, ihn zu akzeptieren, ihn nicht wie die anderen Großstädter zu betrachten, die den Sommer über die Holzhäuser im Wald bevölkern; aber obwohl auch Trond den Großteil seines Lebens in Oslo verbracht hat, hat er sich nun, mit 67 Jahren und nach dem schmerzlichen Verlust seiner Frau und seiner Schwester, hierher zurückgezogen.

Arbeit gibt es hier für ihn genug; das Haus ist in schlechtem Zustand, und er selbst eigentlich nicht unbedingt handwerklich begabt. Aber es hilft, sich in solchen Situationen seinen Vater vorzustellen, der mit den Händen immer schon sehr geschickt war. Weiterlesen

Christine Nöstlinger – Fußballgeschichten vom Franz

Noestlinger+Fussballgeschichten-vom-FranzChristine Nöstlinger kenne ich schon aus meiner eigenen Kindheit. Meine erste Begegnung hatte ich mit dem Dschi Dschei Wischer, der morgens im Radio seinen Auftritt hatte – der Gurkenkönig, Konrad aus der Konservenbüchse, sie alle kamen hinterher. Den Franz allerdings habe ich dann erst ein paar Jahre später kennen gelernt, als ich dem kleinen Nachbarsmädchen manchmal vorgelesen habe – und diese Liebe ist mir geblieben.

Sie kennen den Franz noch nicht? Der Franz ist ein  Wiener Junge, recht klein für sein Alter, mit einem blonden Lockenkopf, einer Stupsnase und strahlend blauen Augen, der aufgrund seines Aussehens zu seinem Ärger oft für ein Mädchen gehalten wird. Dass er immer dann, wenn er sich ärgert, eine hohe piepsige Stimme bekommt, hilft da natürlich nicht unbedingt…

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Donnerleser über Agota Kristof – Das große Heft (Le grand cahier)

leserunde_kristofNach meinem ureigenen Eindruck nun meine Wahrnehmung unserer Diskussion.

In großer Runde haben wir uns am Donnerstag abend getroffen, um über diesen Roman von Agota Kristof zu sprechen. Etwa die Hälfte der Runde war auch im Kino um die Verfilmung zu sehen und die filmische Umsetzung mit der Romanvorlage vergleichen zu können.

Was gleich zu Beginn auffiel war, dass durchaus unterschiedliche Assoziationen zur zeitlichen und geographischen Verortung des Geschehens vorhanden waren. Während die einen es ganz klar in Ungarn, in der Zeit des zweiten Weltkriegs und danach, also etwa den Zeitraum von 43 – 49 ansiedelten, gab es auch (zumindest während der ersten 50 Seiten) die Verbindung zum besetzten Frankreich. Ob es sich bei den Besatzern um Nazis gehandelt hatte, darüber herrschte nicht sofort Einigkeit. Im Film wurde diese Lesart ebenfalls gewählt. Wir waren uns jedoch alle einig, dass diese Details auch nicht wesentlich für den Roman wären, da es doch eine abstrakte Dartsellung von Krieg und Gewalt ginge.

Der Text hat allerdings nicht für alle funktioniert. Weiterlesen

Neue E-Books in der Onleihe und bei Skoobe KW 46/2013

NeueEbooksDiese Woche lohnt sich für Skoobe-Nutzer (mit einem Büchergeschmack, der meinem ähnelt) mal wieder so richtig. Zwar ist der von mir erwartete Roman von Karl-Ove Knausgard, Spielen, noch nicht mit dabei, aber dafür fanden sich einige andere Bücher, von denen ich mir einiges erwarte.

Wolfgang Schömel, ein Autor, von dem ich schon länger Neues erwarte, ist ebenso vertreten wie auch Nora Bossong, Bodo Kirchhoff und Claire Beyer. Aber hier im Detail: Weiterlesen

Agota Kristof – Das große Heft (Le grand cahier)

kristof-heftDieser Roman wird heute von meinem Donnerstagslesekreis besprochen – und ich bin schon sehr gespannt auf die Diskussion! Und auch darauf, wie meine eigene Meinung dadurch weiter beeinflusst wird, mein Blickwinkel erweitert.

“Das große Heft” ist das Hauptwerk der ungarischstämmigen Autorin Agota Kristof. Es handelt von Zwillingsbrüdern, die neunjährig von ihrer Mutter zur Großmutter aufs Land gebracht werden, in eine Grenzstadt (das letzte Haus vor dem Grenzposten). Mutter und Tochter hatten schon jahrelang nicht mehr miteinander gesprochen, es gab böses Blut zwischen beiden – und doch bat die Tochter, die Enkelkinder mögen hier bei der Großmutter vor dem Mangel in der großen Stadt bewahrt werden.

Sie macht es ihnen nicht leicht, die Großmutter. Sie bietet ihnen nichts zu Essen an, keine warme Schlafstatt. Sie gilt ihrer Umgebung als Hexe, als Frau, die ihren eigenen Mann getötet haben soll. Ihr Leben besteht aus Arbeit, aus schwerer Arbeit – und nach einer Woche greifen die Zwillinge mit an. Nicht aus Hilfsbereitschaft, sondern aus einer moralischen Überlegung heraus. Weiterlesen

Gaito Gasdanow – Das Phantom des Alexander Wolf (Prizrak Aleksandra Volfa)

gasdanowEigentlich ziehe ich es ja vor, ein Lesegruppenbuch hier schon vorzustellen, bevor wir unser Treffen abhalten. Aber das habe ich zeitlich nicht geschafft – und unser sehr schönes Treffen am Montag hat durchaus dazu beigetragen, meine Meinung zu diesem Buch ein wenig zu verändern.

Aber nun von vorne – worum geht es?

Der Einstieg in diesen Roman ist grandios. Ein 16jähriger erschießt in den Wirren des Bürgerkrieges einen Mann. Das Ereignis prägt ihn; obwohl die Tat als Notwehr gelten konnte, blieb der Anblick der verlöschenden Augen im Gesicht des Mannes für ihn immer präsent. Weiterlesen

20 Facts About Me

20factsaboutmeJa, das Virus hat auch mich nun ergriffen. Und daher erfahrt ihr nun 20 Dinge über mich, die ihr wahrscheinlich niemals wissen wolltet… und am besten auch schnell wieder vergesst ;-)

1. Ich bin unrettbar sentimental. Rührselige Szenen in Filmen oder Büchern? Man braucht nicht lange darauf zu warten, dass mir das Wasser in die Augen steigt….

2. Fettnäpfchen? Immer nur her zu mir! Ich bin großartig darin, jede Option auf eines aufzuspüren.

3. Ich bin eine Zwangslerche. Von Haus aus Nachteule und Langschläfer. Aber dazu brauche ich ja wohl nur ein Wort zu sagen: ich habe Kinder… Weiterlesen

Theodor Fontane – Effi Briest

effiebriestDie Geschichte ist ja bekannt: Effi Briest, einziges Kind, wird sehr jung mit Baron von Instetten verheiratet. Diesen Baron kannte ihre Mutter schon als sie selbst jung war, ja, es war sogar die Rede davon, dass sie beinahe geheiratet hätten.

Sie kennen sich kaum, Effi und der so viel ältere Baron; Effi ist noch beinahe ein Kind, ist wild und lebhaft und genießt zu Hause in Hohenkremmen die Gesellschaft ihrer Freundinnen. Doch damit wird es nun ein Ende haben, denn der Baron lebt in einer kleinen Stadt weit weg in Pommern; einer Stadt, in der der gesellschaftliche Verkehr stark eingeschränkt sein wird. Weiterlesen

Eberhard Rathgeb – Kein Paar wie wir

rathgebNein, ein alltägliches Paar sind sie nicht, die beiden Schwestern Ruth und Vika. Keine Männer, keine Kinder, keine Liebschaften – nur zwei Frauen, die ihr ganzes Leben miteinander geteilt haben. In Deutschland geboren, sind sie in den Dreißiger Jahren mit den Eltern nach Buenos Aires ausgewandert. Während der Vater dort erfolgreich war, verkümmerte die Mutter, versank in ihren Depressionen. Die Töchter werden streng gehalten, haben kaum Freiheiten – und doch gelingt ihnen der Absprung.

Ruth ist die Erste, sie macht sich auf nach New York, Vika kommt zwei Jahre später nach. Ihre Sprachkenntnisse kommen den Schwestern zu Gute, sie sind beruflich erfolgreich, sie werden durchaus auch umworben, doch kein Mann kann das verheißen, was sie sich gegenseitig sind.

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