Erich Hackl – Dieses Buch gehört meiner Mutter

hacklErich Hackl ist bekannt dafür, dass er gegen das Vergessen anschreibt. Seine Geschichten handeln von realen Menschen, denen er eine Stimme gibt. In diesem Buch lässt er die Erinnerungen seiner Mutter lebendig werden.

Seine Mutter war eine einfache Frau, die aus einem kleinen Bauerndorf im oberösterreichischen Mühlviertel, nahe der tschechischen Grenze, stammt. Sie ist keine Frau vieler Worte – wie ganz am Ende auch nochmal angesprochen wird. “Gern haben” und “mögen”, mehr Worte für die Liebe existieren nicht.

Aber auch wenn sie dann mit ihrem Mann aus dem Dorf weggezogen ist (in dem, wie dieser den Bauern dort schon früh erklärt hatte, gerade mal 3 Landwirte übriggeblieben sind) – ihre Verhaftung an diesen Ort der Kindheit bleibt ihr erhalten.

Sie berichtet erzählend. Auch aus der Zeit vor ihrer eigenen Geburt – es sind mit die stärksten Passagen des Buches, wenn diese geradezu im Allgemeinbewusstsein vorhandenen Geschichten einer Familie in Worte gefasst werden.

Das bringt mich zum nächsten wichtigen Punkt, der Sprache. Erich Hackl ist das Kunststück gelungen, die orale Gestalt des eigentlich Erzählten in einer Form zu konservieren, die trotz ihrer Schlichtheit sehr poetisch und literarisch ist. Hier ist jedes Wort sorgsam gesetzt, darauf geprüft, ob es auch dem Sprachschatz der Erzählerin angemessen ist, ob es zum Duktus des Erzählten passt. Vieles wird offen gelassen – es ist eine Gegend, in der um seelische Belange nicht viele Worte gemacht werden. In der unter den Tisch kehren, Verschweigen, zum Alltag gehört. In der aber trotzdem das eine oder andre zugeraunt wird…

Es ist ein Stück Zeitgeschichte – eine (in vieler Hinsicht: zum Glück) untergegangene Welt, in der es eben üblich war, dass man ein Kind weggab an einen Hof, der keinen Erben hatte (das war bis in die Generation meiner Eltern üblich und ist mir auch aus der Familie bekannt).

Glaube, Aberglaube, Kindheitserinnerungen – Schönes und Hartes wechselt sich hier ab. Es wird nicht linear erzählt, es sind kleine Bilder, die auch optisch durch den Satzspiegel im Buch in den Bereich des Prosagedichts gerückt werden.

Für mich war dieses Buch ein Kleinod – und wird sicher auch noch weitere LeserInnen erfreuen. Denn: Dieses Buch gehört meiner Mutter. Und da kommt es als nächstes hin.

Ein Gedanke zu “Erich Hackl – Dieses Buch gehört meiner Mutter

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