Silvia Bovenschen – Nur Mut

bovenschenIn einer prachtvollen alten Villa verbringen vier Damen ihren Lebensabend. An diesem Nachmittag wird Herrenbesuch erwartet – ein Umstand, der zu einigen Aufregungen führt. Und auch der Neuzugang in dieser Frauendomäne, die verzogene Enkelin der Villenesitzerin Charlotte, hat sich gegen die Langeweile einen tugendhaften jungen Mann zu Besuch geladen, als Kontrastprogramm zu ihrem gerade ins Gefängnis verfrachteten Exfreund.

Und nun wird munter hin und her parliert, werden Spitzen ausgeteilt, wird über das Alter an sich, die Gebrechlichkeiten, die Freiheiten, die auch dadurch entstehen, dass man aufgrund des nahenden Endes auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen braucht, philosophiert… dazwischen wird dem Leser dann wieder zugemutet, in der völlig gekünstelten Jugendsprache von Dörte den Kontrast der gelangweilten Jugendgeneration zu vernehmen.

In der Feuilletonkritik wurde dieser Roman als “ganz wunderbare Salonkomödie” (Lothar Müller in der Süddeutschen) oder als “Abrissparty des Lebens” (Marie Schmidt, Die Zeit) gelobt. Und angesichts der immer wieder hervorblitzenden spannenden Gedankengänge kann ich zwar ansatzweise nachvollziehen, was sie zu ihrem Urteil treibt – aber dennoch: ich selbst konnte mit diesem Roman überhaupt nichts anfangen. Zu Ende gelesen habe ich ihn nur, weil er zumindest nicht sonderlich umfangreich ist…

Die Ausgangssituation hatte mir gefallen – eine WG von alten Damen, eine Trutzburg gegen den Jugendlichkeitswahn. Doch schon die Dialoge sind alle so schrecklich künstlich und zugespitzt, dazu die sehr groteske Handlung – dafür kann ich mich leider nicht erwärmen. Dörte als Figur fand ich nicht nur völlig überflüssig, sondern auch insgesamt nicht gelungen; was bei den alten Damen zumindest insofern noch funktioniert, dass sie allesamt als Typus an sich interessant geraten, wird hier durch die absurde Überzeichnung und den so gar nicht getroffenen Sprachstil ad absurdum geführt.

Schade. Ich hätte die Thematik lieber in einem der Essays gelesen, für die die Autorin nicht umsonst bekannt ist.

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