Joachim Meyerhoff – Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

meyerhoff2Das Gefühl, inmitten von lauter “Irren” aufgewachsen zu sein, mag zwar so mancher haben. So konkret wie Joachim Meyerhoff kann es aber kaum einer beweisen: er hat seine Kindheit in einer großen psychiatrischen Anstalt verbracht, der sein Vater als Direktor vorstand.

Ihr Haus ist mitten im Anstaltsgelände, und nachts hört er die Schreie der Patienten – für ihn das beste Mittel, um einschlafen zu können.

Ansonsten ist es aber eine Kindheit wie viele andere auch – mit zwei Brüdern, die ihn trietzen, mit denen er aber auch schöne Momente erlebt. Seine Eltern sind so unterschiedlich wie sie nur sein können. Der Vater ist, wenn er gerade nicht arbeitet, immer hinter einem Buch oder einer Zeitung versteckt. Er ist für die Ideen zuständig – die Mutter für die Umsetzung derselben. Das zeigt sich besonders, als sie beschließen, ein Haus am Strand zu renovieren…

Die Brüche, die auch in dieser Familie stecken, zeigen sich erst später. Dann nämlich, wenn Joachim die Zeichen richtig zu deuten weiß und merkt, dass die Ehe seiner Eltern nicht so glücklich und selbstverständlich ist, wie sie ihm erscheint. Sein Vater geht fremd, die Mutter hätte gerne auch mal anderen Besuch als nur die Patienten, die zu den Geburtstagen des Vaters das Haus bevölkern.

Es gibt durchaus sehr bewegende Szenen in diesem Roman – wenn der Familienhund eingeschläfert werden muss, oder als Vater stirbt. Das ist wunderbar geschrieben, es sind Szenen, die unter die Haut gehen.

Ansonsten hat das Buch mich sehr an David Sedaris und ähnliche Autoren erinnert, die eine Reihe sukriller Umstände in ihrer teilfiktionalen Autobiographie verarbeiten. Es ist eine sehr anekdotische Erzählweise, man hangelt sich von Höhepunkt zu Höhepunkt mit mal mehr, mal weniger Erfolg.

Das liest sich flott, man merkt, es ist schon häufig erzählt (und gerade, wenn man wie ich das zweite Buch des Autors kurz danach liest, merkt man: es wird zum Teil wortwörtlich übernommen). Eine kurzweilige Lektüre, aber eine Art der Erzählung, die mir nicht unbedingt liegt.

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