Terézia Mora – Das Ungeheuer

ungeheuerDarius Kopp und seine Frau Flora sind dem geneigten Leser ja schon aus “Der einzige Mann auf dem Kontinent” bekannt. Und ehrlich gesagt: als ich dieses Buch damals beendet hatte, war ich sehr froh, dass meine Zeit mit den beiden nach fast 400 Seiten dann vorbei war. Im Gegensatz zu den Rezensenten der großen Zeitungen sind die beiden mir nämlich nicht ans Herz gewachsen – so dass ich, als ich las, “Das Ungeheuer” wäre ein Fortsetzung, auch sicher war, dieses Buch nicht zu lesen.

Aber dann landete es auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis. Und wieder las ich die Kritiken der Tageszeitungen, die das Buch durch die Bank in den Himmel loben. “Unvergesslich” wäre das Personal dieses Romans, schwärmt Rainer Moritz in der NZZ. “Feinsinnig und bewegend” schreibt Karl-Markus Gauß. “Tiefer ist Terézia Mora noch nie in die Abgründe hinabgestiegen, um die Bodenlosigkeiten heutigen Lebens auszuloten” schreibt Sigrid Löffler. Konnte ich da noch länger an dem Buch vorbeigehen? Nein. Kam ich zum selben Urteil wie die Kritiker? Nein.Aber worum geht es eigentlich? Darius Kopp, der in “Der einzige Mann auf dem Kontinent” seinen Job verloren hatte, hat nun auch seine Frau Flora verloren. Aber nicht durch einen Unfall – Flora hatte sich selbst das Leben genommen. Darius wusste zwar, dass seine Frau zu Depressionen neigte, doch in den vergangenen 10 Jahren hatten sie diese Episoden gut meistern können. Sie war eben immer mal wieder in einer schwierigen Phase, wie schlimm es war, konnte er meist nur daran sehen, ob am Abend Essen für ihn bereit stand oder nicht. Und nun war Darius selbst in dieser Situation – verkroch sich für Monate in seiner Wohnung, bis ein Freund ihn unter seine Fittiche nahm.

Nach Floras Tod hatte er auch ihre Tagebuchaufzeichnungen gefunden – auf ungarisch, obwohl sie doch mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen hatte, wie sie ihm immer wieder versicherte. Darius hatte sie übersetzen lassen.. und begann dann, auf einer überstürzten Reise nach Ungarn, darin zu lesen. Er war Hals über Kopf aufgebrochen, wollte Floras Asche beisetzen – die ihn dann die lange Fahrt durch den Osten Europas begleitete. Denn nur Floras alte Lebensstationen aufzusuchen war erst der Anfang einer langen Reise…

Das Buch ist zweigeteilt gedruckt. Im oberen Teil, der “Hauptgeschichte”, folgt man Darius in der Gegenwart auf seiner Reise. Im unteren Teil sind Floras Tagebuchaufzeichnungen abgedruckt, einzelne Dateien, die ihre Vorgeschichte erhellen, aber auch auf die Depression Bezug nehmen, Psychopharmaka und ihre Wirkweisen genauso schildern wie die einzelnen Phasen und klinischen Abstufungen einer Depression.

An und für sich wären das alles Themen, die mich interessieren. Der Umgang mit Trauer nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Depression, der Umgang damit, auch, wie Depression auf die Angehörigen wirkt. Menschen in ihrem Arbeitsumfeld kennen zu lernen und zu lesen, wie sie auf den Verlust dieser identitätsstiftenden Tätigkeit verzichten müssen. Daran liegt es also nicht, dass ich mich mit diesem Buch bis zuletzt nicht anfreunden konnte.

Ein Protagonist muss mir nicht sympathisch sein, damit ich seiner Geschichte folge. Aber er sollte mich interessieren. Und das gelingt leider weder Darius Kopp noch seiner depressiven Frau. Flora ist Opfer durch und durch – immer wieder wird sie ausgenutzt, benutzt, vergewaltigt, es gibt in ihrem Leben fast nur Leid und schlechte Erfahrungen. Sorry, aber ich mag diese Schilderungen nicht lesen. Entgegen aller Erwartungen habe ich kein Mitleid mit ihr, sondern bin genervt.  Und genervt bin ich auch von Darius, der sich ausschließlich treiben lässt und nichts hinterfragt.

Recht schnell kam ich damit auch bei diesem Buch wieder an den Punkt, mich zu fragen: warum? Warum sollte ich mich weiter mit dem Schicksal von Darius und Flora beschäftigen? Der feinen Sprache der Autorin wegen? Leider konnte auch diese mich nicht wirklich überzeugen. Es ist keine Sprache, die den Leser trägt. Es sind keine kraftvollen Bilder, die entstehen. Gerade die Schilderungen der Depression war für mich etwas, was ich ausgesprochen klischeebelastet empfand.

Für mich ist dieser Roman ein typisches Kritiker-Buch. Von Kritikern geliebt, von Lesern… das muss sich noch zeigen. Einen Grund wird es schon haben, warum bislang zu diesem Buch kaum “normale” Leserstimmen im Netz zu finden sind.

 

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