Rückblick auf Oktober 2013

diebestenStatistiken, Auswertungen, Rückblicke und Listen ganz allgemein… ja, ich gebe es zu: ich gehöre zu diesen leicht Verrückten, denen solche Dinge Spaß machen ;-)

Daher kommt hier nun auch der Rückblick auf den Lesemonat Oktober 2013. Oktober ist ja immer ein sehr spannender Monat für alle in der Buchbranche – schließlich findet die Frankfurter Buchmesse statt, der Deutsche Buchpreis wird vergeben, ebenso der Nobelpreis für Literatur. Nicht zu vergessen auch der Man Booker Prize, der Schweizer Buchpreis… warum das alles so kompakt innerhalb eines Monats stattfinden muss weiß ich auch nicht, aber dafür kann man sich den Rest des Jahres weitgehend entspannen und auf das Wichtigste konzentrieren: all die schönen Bücher auch zu lesen… Weiterlesen

Erich Hackl – Dieses Buch gehört meiner Mutter

hacklErich Hackl ist bekannt dafür, dass er gegen das Vergessen anschreibt. Seine Geschichten handeln von realen Menschen, denen er eine Stimme gibt. In diesem Buch lässt er die Erinnerungen seiner Mutter lebendig werden.

Seine Mutter war eine einfache Frau, die aus einem kleinen Bauerndorf im oberösterreichischen Mühlviertel, nahe der tschechischen Grenze, stammt. Sie ist keine Frau vieler Worte – wie ganz am Ende auch nochmal angesprochen wird. “Gern haben” und “mögen”, mehr Worte für die Liebe existieren nicht. Weiterlesen

Joan Didion – Das Jahr magischen Denkens (The Year of Magical Thinking)

didionAm Abend des 30. Dezember 2003, während Joan Didion gerade das Abendessen richtete, starb ihr Mann vor ihren Augen an einem Herzinfarkt. Sie waren 40 Jahre verheiratet und nur bei ganz wenigen Gelegenheiten getrennt gewesen. Beide Schriftsteller, hatten sie beide zu Hause gearbeitet, häufig gemeinsam Drehbücher überarbeitet. Sie waren einander jeweils der erste Leser und Kritiker.

Nach außen nimmt Joan Didion die Nachricht vom Tod ihres Mannes gefasst auf; “sie ist hart im Nehmen”. Doch ihre Welt ist mit einem Schlag zerbrochen. Weiterlesen

Elizabeth George – Just One Evil Act / Nur eine böse Tat. Inspector Lynley 18 (mit Spoiler!)

georgeKritik in aller Kürze: völlig unglaubwürdiger Plot, redundante Passagen in großer Zahl, und Hauptfiguren, die einem über die Jahre ans Herz gewachsen wurden, sind nachhaltig in ihrer Glaubwürdigkeit beschädigt worden….  Barbara Havers benimmt sich völlig unglaubwürdig, übertritt die Grenzen des Gesetzes nicht mehr nur, um Ergebnisse zu erzielen, sondern um Fakten zu verschleiern. Zudem mochte ich gar nichts weiter von ihren üblen Kleidungs- und Essgewohnheiten lesen, musste das aber auf jeder zweiten Seite erdulden. Erst gegen Ende (auch wenn das ähnlich unglaubwürdig ist wie der Plot davor)  schafft die Autorin es, mich zumindest wieder am Schicksal der Protagonisten interessiert zu halten, mich mitzunehmen.

Seit vielen Jahren lese ich die Romane von Elizabeth George; nicht jeder hat mich begeistern können, doch eines ist gewiss: Barbara Havers und Thomas Lynley sind mir über die Jahre sehr vertraut geworden. Ein wenig ist es wie mit entfernten Verwandten… man ist einfach interessiert daran, wie es in ihrem Leben weitergeht. Seit dem Tod von Helen, Lynleys Frau, ist diese emotionale Bindung an die Figuren noch stärker geworden, wenn ich auch die Kriminalfälle an sich nicht immer überzeugend fand. Langer Vorrede kurzer Sinn: ich habe mich mit diesem Buch hier sehr, sehr gequält. Ich wollte es mehr als einmal einfach in die Ecke pfeffern – und wenn ich jemanden gefunden hätte, der mir die restliche Handlung verraten hätte, ich hätte es nicht zu Ende gelesen.

Allerdings muss ich zur Ehrenrettung von Elizabeth George auch sagen: gut, dass ich es zu Ende gelesen habe. Denn das Ende, auch wenn es mindestens genauso unglaubwürdig ist wie der Beginn, hat mich zumindest emotional wieder angerührt. Um den Lesern, die aufgrund der überwiegend negativen Reaktionen (ja, ich habe während des Lesens immer mal wieder nachgesehen, wie andere das Buch aufgefasst haben, und wie es aussieht: nicht gut…) die Chance zu geben, den Inhalt des Romans zu kennen, ohne ihn gelesen zu haben, werde ich weiter unten die komplette Handlung inklusive Auflösung der Kriminalfälle aufschreiben. Und keine Angst, deutlich vorher wird es eine Warnung geben.

Zur Handlung (noch ohne Spoiler): während Thomas Lynley ein Rollerderbymatch besucht, um einer gewissen “Kickarse Electra” zuzusehen (die der geneigte Leser dieser Reihe aus dem Band “Carless in Red / Doch die Sünde ist scharlachrot” als Tierärztin Dairdre kennt, mit der Lynley…) – in dieser Zeit also ist Barabara verzweifelt. Denn ihr Nachbar Azhar hat gerade festgestellt, dass seine Tochter Haddiyah verschwunden ist, spurlos. Die Kindsmutter Angelina Upman, die lange Zeit verschwunden gewesen war und erst im letzten Teil der Reihe wieder aufgetaucht war, hat sie mitgenommen. Und da Azhar auf dem Papier immer noch mit einer anderen Frau verheiratet ist und nie als Vater anerkannt wurde, hat er keinerlei Rechte auf Umgang.

Das muss auch Barabara bald trotz ihrer Verzweiflung feststellen. Sie kann nichts machen. Zumal sie auch unter Beobachtung steht und ihr Job in Gefahr ist. Sie beauftragen daher einen Privatdetektiv, der Haddiyah und Angelina finden soll, doch das misslingt

Soweit, so gut. Doch dann taucht Angelina plötzlich wieder in London auf – ohne Kind. Das vermutet sie bei Azhar… Haddiyah ist in Lucca beim wöchentlichen Marktbesuch entführt worden…

Wer das Buch noch selbst lesen möchte, sollte hier besser stoppen. Denn im nächsten Abschnitt werde ich die Handlung inklusive Aufklärung der Drahtzieher erwähnen…

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Schweizer Buchpreis 2013 geht an: Jens Steiner für “Carambole”

caramboleWie ich gerade entdeckt habe, geht der Schweizer Buchpreis in diesem Jahr an Jens Steiner für “Carambole“. Dieser Titel war auch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2013 zu finden – und gehörte für mich zu den Büchern, die mich nicht begeistern konnten.

Mein Favorit für den Schweizer Buchpreis wäre Jonas Lüscher gewesen, dessen Erstling mir ausgezeichnet gefallen hat – aber da hoffe ich, in Zukunft noch einige schöne Bücher zu lesen zu bekommen.

In diesem Sinne Glückwunsch an Jens Steiner!

Silvia Bovenschen – Nur Mut

bovenschenIn einer prachtvollen alten Villa verbringen vier Damen ihren Lebensabend. An diesem Nachmittag wird Herrenbesuch erwartet – ein Umstand, der zu einigen Aufregungen führt. Und auch der Neuzugang in dieser Frauendomäne, die verzogene Enkelin der Villenesitzerin Charlotte, hat sich gegen die Langeweile einen tugendhaften jungen Mann zu Besuch geladen, als Kontrastprogramm zu ihrem gerade ins Gefängnis verfrachteten Exfreund.

Und nun wird munter hin und her parliert, werden Spitzen ausgeteilt, wird über das Alter an sich, die Gebrechlichkeiten, die Freiheiten, die auch dadurch entstehen, dass man aufgrund des nahenden Endes auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen braucht, philosophiert… dazwischen wird dem Leser dann wieder zugemutet, in der völlig gekünstelten Jugendsprache von Dörte den Kontrast der gelangweilten Jugendgeneration zu vernehmen. Weiterlesen

Leon de Winter – Leo Kaplan (Kaplan)

deWinterKaplanAus der Reihe: Das besondere Buch

Die Ehe ist ein Trapezakt: Jeder muss festhalten und loslassen können, auch andere Begegnungen in der Luft zulassen – wichtig ist nur, dass man zum Schluss wieder gemeinsam auf der Erde landet.

Das nimmt Leo Kaplan als Erklärung, als Rechtfertigung seiner immer wiederkehrenden Seitensprünge, die schließlich auch zum Scheitern seiner Ehe führen. Weiterlesen

Luc Bannalec – Bretonische Brandung. Kommissar Dupins zweiter Fall

bannalecDrei Leichen sind am Strand einer kleinen Inselkette gefunden worden, und Kommissar Dupin muss schon vor dem dritten Kaffee (oh, sorry – hier im Buch hießt der natürlich “Café”) zur Arbeit aufbrechen, noch dazu in einem Boot  und es gibt wenig, was er noch mehr hasst als Boote.

Dann steht er mit seinen Männern erstmal da, am Strand. Betrachtet die Leichen, lässt seine Männer Ermittlungsarbeit machen. Was er derweilen macht? Natürlich – erstmal mit seiner unersetzlichen Assistentin Nolwen telefonieren, die wie immer sämtliche regionalen Eigenheiten, die für die Ermittlung vielleicht relevant werden könnten, beisteuert. Und Dupin außerdem den Präfekten vom Leib hält, denn – wie sollte es auch anders sein! – dieser hat ein dringliches Interesse daran, den Fall so rasch als möglich zu klären. Und will informiert werden. Immer. Und sofort.

Aber was macht Dupin? Der geht erstmal essen. Schließlich gibt es hier auf der Insel den besten Hummer, den man sich überhaupt nur vorstellen kann Weiterlesen

Anna Mitgutsch – Zwei Leben und ein Tag

mitgutschAus den Archiven der LESELUST – Das besondere Buch. Damit diese Bücher im neuen Blog-Format nicht in Vergessenheit geraten, werden sie hier in den nächsten Wochen neu eingestellt. Vielleicht ist ja doch noch die eine oder andere Entdeckung für euch dabei!

Er war ihr erstes Gesprächsthema beim Kennenlernen, und er hat sie auch danach ihr ganzes Eheleben lang begleitet: Herman Melville, der zu Lebzeiten verkannte Autor, über den Edith und Leonard unermüdlich Material sammelten, in der vagen Hoffnung, eines Tages gemeinsam eine Biographie zu verfassen. Weiterlesen

Amy Waldman – Der amerikanische Architekt (The Submission)

waldmanDie Anschläge auf das World-Trade-Center am 9. September 2001 haben im kollektiven Gedächtnis nicht nur der USA einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Ausgangslage des Romans ist also durchaus sehr spannend: der beste Entwurf für einen Gedenkort für die Opfer soll im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung ermittelt werden. Und diese Ausschreibung gewinnt ein Mann mit dem Namen Mohammed Khan…

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