Lars Gustafsson – Der Mann auf dem blauen Fahrrad (Mannen pa den bla cykeln)

gustafssonEs ist kalt, der wind bläst, die Felder und Wiesen grünen nicht mehr üppig, sondern sind grau und braun. So ist auch die Stimmung des Mannes, der da auf seinem blauen Fahrrad unterwegs ist. Auf dem Gepäckträger befördert er eine schwere Last.

Dieser Mann ist Jan Friberg, Handelsvertreter für Küchenmaschinen von Elektrolux, und er ist unterwegs zu einem Herrensitz, an dem er hofft nach seinem verkorksten Tag endlich eine Maschine verkaufen zu können.

Doch es kommt anders. Denn kurz vor dem Ziel kommt der Radfahrer ins Rutschen, stürzt – und verletzt sich. Wenigstens Hilfe wird ihm ja wohl gewährt werden in diesem seltsamen Haus, so hofft er. Aber die einzigen Menschen die er zu Beginn zu Gesicht bekommt sind die Küchenhilfen, die schweigend vor sich hin arbeiten. Keiner fragt nach seinem Begehr, jeder Versuch, ein Gespräch zu beginnen, wird ohne Erklärung gestoppt.

Es dauert eine Weile bis er dann doch erfährt, dass in diesem Haus auf den Tod gewartet wird und man in der Küche schon für den Leichenschmaus rüstet. Nun wird er doch in den Salon gebeten, um auf die Dame des Hauses zu warten. Und zu warten wird er genug haben, dieser Jan Friberg an diesem seltsamen Abend.

Erst wird er noch mit einem blinden Klavierstimmer verwechselt, der wohl aber auch schon abbestellt worden war; wieder alleine gelassen, beginnt er in einem Band mit alten Fotografien zu blättern. Er schläft ein… und die Bilder beginnen in seinem Kopf lebendig zu werden und erzählen die Geschichte einer jungen Frau, einem Schiff, seltsamen Kreuzworträtselschwestern… und am Ende weiß er selbst nicht mehr, was nun der Realität entspricht oder ob er es geschafft hat, ganz in die Traumwelt zu entschwinden.

Das alles ist in Gustafssons sehr eigenem, altertümlich anmutenden Ton geschrieben. Seine Sätze haben etwas Schwebendes, sehr Leichtes; man spürt die Schönheit der Landschaft, die eigentümliche Reinheit des jungen Mannes, der hier so unvermittelt in eine seltsame Welt exponiert wird.

Das hat einerseits, gerade in der ersten Hälfte, einen ganz eigenen Reiz. Vor allem in Verbindung mit den alten Bildern, die von Gustafssons Vater stammen und den Autor erst zu dieser Geschichte inspiriert haben, bietet es eine reizvolle kleine Flucht aus dem Alltag. Kein großes Highlight – aber für alle jene, die die stillen Töne lieben und sich hier von einem alten Meister wieder ein wenig entführen lassen wollen, ein wunderlich warmes Buch.

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