Jens Steiner – Carambole

caramboleBrütende Sommerhitze. 3 Jugendliche, die sich rastlos im Dorf herumtreiben, in Erwartung der Sommerferien – insgeheim wissend, dass auch in diesen Ferien nichts passieren wird.
Eine Frau versteht nicht, wann und wie es dazu kam, dass in ihrer Familie niemand mehr miteinander redet. Dass ihr Mann sich heimlich in den Schuppen zurückzieht um zu weinen, die Tochter sich komplett verschließt.

Schorsch zieht als Dorfstreuner durch die Gegend.

Zwei Brüder haben sich über Erbschaftsangelegenheiten so zerstritten, dass sie 30 Jahre nicht miteinander gesprochen haben – obwohl sie nur wenige Meter voneinander entfernt wohnen.

Ein entstellter Mann im Rollstuhl beobachtet die Vorgänge im Dorf mit dem Fernrohr – und sehnt sich gleichzeitig nach Rache wie nach Vergebung.

Drei alte Männer treffen sich regelmäßig, um ein altes Brettspiel namens Carambole zu spielen – und inszenieren diese Treffen wie Geheimdiensttreffen.

Alle diese Geschichten sind ineinander verwoben; in manchen wird ein und dasselbe Geschehen aus verschiedenen Perspektiven erzählt, dann wieder wird die Vergangenheit heraufbeschworen.

Die Konstruktion dieses “Romans in 12 Runden” hat mir gut gefallen. Es ist zwar nicht ganz neu, einzelne Episoden in Form einer Kurzgeschichte zu einem Ganzen zusammenzufügen, aber immerhin reizvoll.

Trotzdem hatte ich keine rechte Freude an diesem Buch. Die versteinerte Atmosphäre, die schon zu Beginn verwendet wird, zieht sich durch das ganze Buch. Und zwar leider auch sprachlich. Auch wenn immer wieder aus verschiedenen Perspektiven berichtet wird – der Grundton, die Erzählstimme bleibt bis auf wenige Ausnahmen gleich. Immer wird in vagen Andeutungen erzählt, die so vage dann doch nicht sind; jeder hat irgendeiner Form ein schweres Schicksal, alles ist trostlos, bis am Ende durch eine Explosion wenigstens ein wenig Bewegung in diese Versteinerung kommt.

Auch die Sprache hat es für mich nicht verbessert – zwar handwerklich solide, es gibt nichts zu bemängeln, doch leider fehlt mir das gewisse Etwas. Für diese Art von Literatur bin ich vermutlich nicht die passendste Leserin.

Ein Gedanke zu “Jens Steiner – Carambole

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