Daniel Kehlmann – F

kehlmannIch mag Daniel Kehlmann. Ich habe mich bei der “Vermessung der Welt” köstlich amüsiert, und auch “Ich und Kaminski” war für mich eine sehr lohnende Lektüre. Ich habe auch die anderen Bücher gelesen, allerdings mit etwas weniger Begeisterung.

Und nun also “F”. Wieder mit einem Einstieg, der Lust machte auf das Buch. Ein Vater, drei Söhne – einmal die Zwillinge Eric und Iwan, und dann noch Martin, von dessen Existenz die Zwillinge erst nach etlichen Jahren erfahren haben. Es beginnt mit einem der üblichen, etwas gezwungenen ablaufenden Besuchstermine, zu denen Arthur Friedland seine drei Söhne versammelt. Ein Hypnotiseur wird aufgesucht; der skeptische Arthur wird vorgeführt – und daraufhin verlässt er seine Familie und ward fortan nur noch sporadisch gesehen.

Ein Auftakt, der nichts zu Wünschen übrig ließ: er verhieß Spannung und Konfliktpotential, und auch eine gute Vorlage für humoristische Einlagen, die zum Schmunzeln anregen könnten.

Doch leider bleibt davon nicht viel übrig. Nun darf der Leser den Irrungen und Wirrungen der drei Brüder folgen, von denen einer Priester, einer Künstler und einer Finanzmogul wird. Alles, was man sich an Klischees darüber vorstellen kann – es ist hier enthalten. Der Priester, der nur deshalb Priester wurde, weil er beim anderen Geschlecht so schlecht ankam, der aber selbst gar nicht glaubt.

Der Künstler, der nur fälscht – und natürlich homosexuell ist.

Der Finanzler, der völlig durchdreht, Gelder veruntreut, seine Frau betrügt, Drogen nimmt… usw. 

Die Absicht der Fälschung, die dahinter steht, ist sofort zu durchschauen. Und nur ganz selten blitzt ein Gedanke, eine Formulierung auf, die mich daran erinnerte, warum ich Kehlmann eigentlich gerne lese. Bei diesem Buch aber habe ich mich, spätestens ab dem Kapitel über den Finanzbruder, eher gequält. Für mich war es unverständlich, wie Kehlmann mit diesem Buch auf die Longlist für den Buchpreis kommen konnte – ein Platz auf der Shortlist würde ich mich gelinde gesagt überraschen. Sicher trägt auch meine enttäuschte Erwartungshaltung, von Kehlmann zumindest gut unterhalten zu werden, zu meinem Urteil bei – aber für mich war es ein klarer Flop in diesem Lesejahr.

Ans Herz legen möchte ich euch die Lektüre der umfassenderen Rezension von Tom im Leselust-Forum.

5 Gedanken zu “Daniel Kehlmann – F

  1. Oje, was für ein Totalverriss – davon gab es ja schon einige zu diesem Werk. Wie schön, dass es mir als nächster Longlist-Titel bevorsteht… meine Leselust ist mir gehörig vergangen. Interessanterweise auch schon bei den positiven Rezensionen. Schade, dass es die – ebenso wie die negativen – noch nicht gab, als ich meine Longlist-Leseliste zusammengestellt habe – ich wollte einfach mal schauen, was der Kehlmann nun verzapft hat, schließlich fand auch ich Die Vermessung der Welt damals sehr gelungen, Ruhm schon weitaus weniger. Ich ahne, dass auch F mich nicht begeistern wird.

  2. Caterina, ich bin sehr gespannt, was du letztlich zum Kehlmann sagen wirst!

    Und dafür hast du dich beim Zusammenstellen deiner Leseliste ja trotzdem ausgezeichnet: 4 Titel hat jeder von euch bekommen, und ganze 3 von deiner finden sich auf der Shortlist wieder. Wenn das kein literarischer Instinkt ist! Hast deinen Beruf nicht verfehlt ;-)

    LG, Daniela

    • Witzige Beobachtung, liebe Daniela. Ja, offenbar habe ich genau richtig gewählt. Andererseits aber auch wieder nicht, da ich ja bisher kein wirkliches Lesevergnügen habe und es mir auch von Kehlmann nicht erwarte. Nun werde ich aber angesichts der neuen Lage Bonné vorziehen und Kehlmann hinten anstellen

  3. Auf jeden Fall eine gute Entscheidung! Ich lese auch nur noch rasch den Widmer fertig (auch kein wahres Vergnügen… dabei mag ich ihn sonst) und werde dann wohl auch zum Bonné greifen.
    Jirgl hat leider noch nicht den Weg zu mir gefunden, jemand ist mir in der Bibliothek zuvorgekommen und als Ebook ist es nicht verfügbar….
    Bin gespannt, ob du auch den Siegertitel schon dabei hast bei deiner Auswahl ;-) Die Chancen stehen gut…

    • Jirgl hoffe ich bis zum Wochenende zu beenden und zu rezensieren. Für mich ist es ganz klar kein Siegertitel, allerdings hat der Juryvorsitzende Helmut Böttiger vor drei Jahren die Laudatio gehalten, als Jirgl der Büchnerpreis verliehen wurde – ich gehe also davon aus, dass er sich auch diesmal stark für ihn einsetzen wird. Dabei halte ich dieses Buch für unverkaufbar, und das ist ja nicht ganz irrelevant, wo doch der Preis immer auch den deutschen Buchhandel im Blick haben sollte.
      Es bleibt spannend!

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