Elizabeth George – This Body of Death / Wer dem Tode geweiht. Inspector Lynley 16

george-deathSeit Thomas Lynley den Scotland Yard verlassen hat, wurde die Leerstelle als Acting Supterintendent (die auch er nur interimsmäßig inne hatte) noch nicht wieder zufriedenstellend neu besetzt worden. Als nächste Kandidation ist es nun an Isabelle Ardery, sich in dieser Position zu beweisen.

Sehr aufmerksamen Lesern der Serie ist Isabelle bereits aus dem Fall “Asche zu Asche” bekannt – wer aber, wie ich, bei Krimis kein solches Detailgedächtnis entwickelt, kommt auch ohne erneutes Lesen des alten Falles gut zurecht. 

Isabelle also erkennt sehr rasch, dass das Team eigentlich auf die Rückkehr Lynleys wartet – und sie nur dann eine Chance hat, als Chefin anerkannt zu werden, wenn sie es schafft, ihn wieder mit an Bord zu holen. Als ihren Untergebenen. Was sie zur Überraschung aller auch erreicht, als der erste Mordfall unter ihrer Leitung geklärt werden soll.

Eine junge Frau ist auf einem Friedhof tot aufgefunden worden – und die Ermittlungen ergeben rasch, dass sie vor etwa einem Jahr überstürzt nach London gezogen war, ihren Freund verlassen und auch ihr gerade gestartetes kleines Unternehmen einfach zurück gelassen hatte. Kein Wunder also, dass Gordon Jossie als ihr ehemaliger Lebensgefährte sehr rasch ins Visier der Ermittler rückt – zumal sich rasch herausstellt, dass irgendetwas an diesem Mann nicht stimmig ist.

Doch auch in London ergibt sich eine Spur – ein psychisch kranker Mann war zur Tatzeit am Tatort und kannte auch die Tote. Doch entgegen der inständigen Bitte des Bruders des Verdächtigen gestaltet sich der Zugriff nicht sacht und diskret, sondern artet in eine wilde Verfolgungsjagd aus, die mit einem schweren Unfall endet. Nun hat Isabelle also ihren ersten Verdächtigen, kann ihn aber nicht vernehmen – und hat außerdem die Presse auf dem Hals, da es sich um den Bruder eines weltberühmten Musikers handelt.

Auch sonst häufen sich für sie die Stressmomente – Grund genug, immer mal wieder eines der kleinen Fläschchen zu leeren, die sie vorsorglich in ihrer Handtasche deponiert hat. Denn ja, die neue Superintendin hat ein Alkoholproblem, das immerhin ausgeprägt genug ist, dass ihr ihr Exmann das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder entziehen konnte. Auch Lynley bleibt das nicht verborgen…

Als zweiter Handlungsstrang wird von einem grausamen Mord an einem Kleinkind, begangen von drei etwa 10jährigen Kindern, berichtet. Ein brutaler Bericht, für Eltern mitunter nur schwer zu ertragen – und zu Beginn wirkt er auch etwas zusammenhanglos mit dem Rest des Buches. Ich hatte dann rasch eine Vermutung, wie die beiden Stränge zusammenhängen könnten, die sich auch als richtig herausstellte – und die, soviel kann ich wohl sagen ohne zu viel vorwegzunehmen, dem Fall noch eine weitere Dimension hinzufügt, die im Nachhinein sehr zum Nachdenken anregt und in die aktuelle Diskussion um Sicherungsverwahrung eingebunden werden könnte.

Von der Krimihandlung möchte ich nicht mehr verraten – ich fand den Plot spannend, die Anzahl der Verdächtigen groß genug und ihre möglichen Motive sehr plausibel, die Psychologie dahinter überzeugend. Ein guter, solider Krimi also.

Doch bei Elizabeth George will ich ja noch mehr – ich will wissen, wie es mit dem mir so vertraut gewordenen Ermittlerpersonal so weitergeht. Und hier hat sich wirklich eine Menge getan, was sich in meiner guten Bewertung niederschlägt. Endlich wird dem Team wieder viel Zeit und Raum gewidmet – einmal mit der Einführung der neuen Figur Isabelle Ardery, die auf den ersten Blick so gar nicht zu Thomas Lynley und Barbara Havers zu passen scheint. Wo nämlich Lynley und Havers eher ihrer Karriere schaden als sich von der Suche nach der Wahrheit abhalten zu lassen, besitzt Ardery ein ausgeprägtes Karrierebewußtsein und scheut sich auch nicht, andere für ihre Fehler den Kopf hinhalten zu lassen.

Und dennoch gibt es zwischen ihr und Lynley eine ganz eigene Übereinstimmung, eine rasch entwickelte Vertrautheit, die vor allem Barbara Havers mehr zu schaffen macht, als sie sich eingestehen möchte.

Barbara, eine der ganz großen Sympathiefiguren der Serie, wird in diesem Band einiges zugemutet. Noch vor Lynleys Rückkehr wird ihr von Ardery sehr dringlich eine Änderung ihrer persönlichen Erscheinung nahegelegt (was sich allerdings sehr amüsant liest, wenn sie mit ihrer kleinen Nachbarstochter als Beraterin auf Einkaufstour geht), Lynley zeigt sich distanziert, und was ihr Verhältnis zu Azhar angeht… nun, das muss man selbst lesen!

Die Autorin hat mich (nachdem ich von “Die Sünde ist scharlachrot” ja gar nicht angetan war) nun wieder so richtig am Haken. Ich werde wohl auch beim nächsten Band nicht auf die deutsche Übersetzung warten können – eine Empfehlung!

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