Katharina Hacker – Die Habenichtse

hackerHätte Jakob nicht gehofft, Isabelle wiederzufinden auf der Party, zu der er eingeladen war – er hätte den 11. September 2001 noch in New York verbracht, so wie sein Kollege, der den Tag nicht überleben sollte. Sie hatte ihm also indirekt das Leben gerettet; dabei konnte sie sich anfangs gar nicht an ihn erinnern, als er sie auf dieser Party – die trotz allem stattfand – ansprach.

Aber für Isabelle kam Jakob zur rechten Zeit. Die Wohngemeinschaft mit Alexa löste sich gerade auf, und so ganz konnte sie die uneingestandene Eifersucht nicht ablegen. In der Agentur, die sie mit Peter und dem Ungarn Andras gemeinsam führte, lief auch alles wie immer; Andras, seit langem hoffnungslos in sie verliebt und von ihr als Bruder wahrgenommen, war dann auch der Erste, der von der Wiederbegegnung mit Jakob erfuhr.

Kurz darauf schon heiraten Jakob und Isabelle, ziehen in eine große schöne Wohnung, und eigentlich ist trotzdem alles wie immer. Bis Jakob das Angebot erhält, für die Kanzlei, für die er arbeitet, nach London zu gehen.

Eine neue Stadt, ein neues Leben? Mitnichten. Weiterhin zeichnet Isabelle für ihre Agentur, nunmehr eben von London aus, wickelt ihre Aufträge übers Internet ab. Und Jakob? Der arbeitet. Arbeitet viel, ist von seinem neuen Chef, Bentheim, fasziniert und lässt sich von seinem Kollegen Alistair mitreißen, die Stadt zu entdecken. Oder zumindest hin und wieder auszugehen, denn nur er und Isabelle unterwegs, das findet kaum noch statt.

In der Straße, in der sie leben, hat sich auch Jim niedergelassen. Für einen Dealer eine sehr ungewöhnliche Adresse, und lange wird er hier auch von den Machern in seinem Milieu nicht gefunden. Jim ist auf der Suche nach Mae, seiner Freundin, es war immer ihr Traum, gemeinsam aufs Land zu ziehen. Nur ein wenig Geld hatte stets dazu noch gefehlt; und außerdem hätte Mae endlich aufhören sollen, Drogen zu nehmen. Dass Jim selbst daran schuld ist, dass er sie nicht mehr sieht, dass er sie, entstellt wie sie nun ist, wohl auch auf der Straße nicht mehr erkennen würde, dämmert ihn nur in wenigen klaren Momenten.

Außerdem wohnt nebenan noch eine Familie mit zwei Kindern. Sara geht immer noch nicht zur Schule, obwohl sie das Alter bereits erreicht hätte; wenn ihr Bruder Dave sie nicht versorgt, ist sie sich selbst überlassen, geschlagen, missachtet und vernachlässigt. Immer wieder hört Isabelle die Geräusche, das Schreien und Wimmern durch die dünnen Hauswände.

Es kommt der Moment, da sich die drei Handlungsstränge vermischen – allerdings leider auf eine sehr konstruierte Weise, wie auch der Rest des Romans eine lebendige Dynamik vermissen lässt. Ausnahmslos alle Protagonisten bleiben blutleer und blass, ihre Motivation und Seelentiefe wird im Buch nicht ausgelotet. Man sieht ihnen – bei der Lektüre zutiefst gelangweilt – beim Agieren zu, bemerkt, dass zwischen allen Protagonisten, egal ob im Arbeits- oder Privatumfeld, immer eine sexuell aufgeladene Atmosphäre herrscht, was ausgesprochen aufgesetzt wirkt, und fragt sich, warum nun ausgerechnet dieser Roman für das Zeitgefühl der Thirty-Somethings stehen soll.

Überspitzt formuliert könnte man also sagen, dass die Autorin uns mit diesem Buch also programmgemäß Langeweile bereiten wollte, indem sie über Figuren schrieb, die unser Interesse nicht wecken…

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