Maggie O´Farrell – Bevor wir uns trafen (The Distance Between Us)

ofarrelldistanceAls Leser ahnt man zwar sofort, dass die beiden hier parallel erzählten Handlungsstränge zusammenführen werden; doch um ein bisschen Restspannung zu bewahren, sei hier nur die Vorgeschichte der beiden Protagonisten erzählt.

Stella arbeitet beim Rundfunk in London; das heißt, momentan arbeitet sie in London. So etwas kann sich bei ihr rasch ändern, sie hat schon an sehr vielen Orten gelebt. Aber dass sie so unvermittelt und unangekündigt aufbricht wie dieses Mal ist noch nie vorgekommen. Zumal sie auch nicht von sich hören lässt, vor allem auch ihrer sehr anhänglichen Schwester nicht erzählt, wohin sie aufgebrochen ist.

Das Verhältnis zwischen Stella und ihrer älteren Schwester Nina ist sehr eng, schon seit Kindertagen; sie waren sich immer selbst genug, so sehr, dass es ihrer Mutter manchmal Sorgen bereitete. In vielen kleinen Rückblenden erfährt der Leser von dieser Familie; von den Großeltern, die aus Italien hierher gekommen waren, der Mutter, die der Vater nur so schwer erobern konnte..

Rückblenden in die Vergangenheit gibt es bei auch bei Jack; er war mit seiner Mutter in HongKong aufgewachsen, von der Mutter allein großgezoen. Sein Vater wusste noch nicht einmal von seiner Existenz; Jacks Mutter war auf ihrer Reise ein paar Wochen mit ihm gereist, die Erkenntnis über ihre Schwangerschaft kam erst nach dem Abschied – ohne Anschrift, ohne großes Lebwohl, noch nicht mal seinen Nachnamen kannte sie. Nur den Ort, an dem er lebte – und nach dem war Jack benannt.

Frisch verheiratet lebt er nun in England und fühlt sich verloren; die Heirat war überstürzt, unter verzwickten Umständen geschlossen; seine einzige Ausbruchsmöglichkeit scheint die Suche nach dem nie gekannten Vater zu sein…

Auch wenn das Ende mit der Auflösung des Rätsels um Stellas Kindheit für mich eine kleine Enttäuschung war, habe ich das Buch dennoch sehr gerne gelesen. Die einzelnen Passagen sind wunderbar erzählt, erzeugen Bilder, die lange im Gedächtnis bleiben, man entwickelt eine große Bindung zu den Figuren; gefühlsintensiv ohne dabei kitschig oder melodramatisch zu werden.

Eine Empfehlung für alle, die eine unspektakuläre Geschichte lesen möchten, die zwar nicht unbedingt große Literatur, aber gut erzählt ist.

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