James Salter – In der Wand (Solo Faces)

inderwandVernon Rand ist kein Mann von großen Worten. Er spricht nicht viel, als er beim Arbeiten auf einem Kirchdach seinen Kameraden vorm Abrutschen bewahrt.

Man weiß nicht viel von ihm; er lebt mit einer Frau zusammen, das ist bekannt – und diese weiß auch nicht viel mehr von ihm. Er war mal bei der Army, hätte es dort weit bringen können, aber dann war irgendwas – und er ist weggegangen.

Mit ihrem Sohn geht er in die Berge, trifft dort auf einen alten Kumpel, Cabot, mit dem er früher geklettert ist. Der ihm von den Bergen in Europa erzählt – und kurz darauf bricht Rand auf, nach Frankreich, wieder, ohne viele Worte zu machen.

Wochen, ja monatelang treibt er sich in den Bergen herum, bei seinem Zeltplatz, trifft auf Kletterer aus aller Herren Länder, man klettert gemeinsam – bis der Winter kommt. Die anderen gehen, Rand bleibt, schlägt sich durch.

Im nächsten Frühjahr taucht Cabot in dem kleinen Bergdorf auf – er hatte ihn gesucht, jetzt klettern sie gemeinsam. Sie besteigen den Dru, trotz Unwetter, trotzdem Cabot sich verletzt hatte – langsam beginnen sie, sich einen Namen zu machen. Doch Rand will nichts darüber schreiben – dieses Erlebnis gehört ihm, die anderen dürfen nur wissen, daß er es gehabt hatte.

Und im nächsten Winter plant Cabot eine große Tour – er will den Eiger besteigen, im Winter. Und ohne Rand. Die Frau, die er gerade kennengelernt hatte, nimmt ihn mit nach Paris – weg von den Bergen, weg von diesem Verrat. Doch als einer der Bergsteiger tötlich verunglückt, erfährt Rand es trotzdem aus der Zeitung.

Er bleibt in Frankreich, auch, nachdem seine Freundin ihn wieder verlassen hat, weil er das Kind nicht wollte. Er bleibt, er wandert nun alleine. Als 2 Italiener auf dem Dru in ein Unwetter geraten, die Rettungsmannschaften erfolglos bleiben, entschließt er sich, mit einer Handvoll Männer, eine völlig neue, gewagte Tour zu unternehmen – und er schafft es, beide überleben.

Nun hat er endgültig den Nimbus des Verwegenen, Siegreichen – alle Augen sind auf ihn gerichtet, als er wieder einen Alleingang plant. Doch diesmal kommt er nicht bis ans Ziel – kurz vorher hält die Angst Einzug, er muß umkehren. Auch das erfordert Mut.

Kurz darauf dringt die Nachricht über den großen Teich: Cabot ist abgestürzt. Und diesmal ist seine Verletzung schwerwiegend: er wird nie wieder klettern können, ist von der Taille abwährts gelähmt….

Wow.
Ein schwindelerregend schönes Buch. James Salter ist ein Mann der leisen Töne – Nuancen, die gerade durch das Nicht-Gesagte Stimmungen und Bilder zum Ausdruck bringen. Die ausgewählten Texte am Ende dieser Rezension zeigen das sehr deutlich.

Vordergründig handelt dieser Roman vom Klettern. Und obwohl ich in der Nähe der Berge aufgewachsen bin und mich eigentlich noch nie für diese interessiert habe – der Autor hat hier die Faszination, die das Klettern ausüben kann, spürbar vermittelt.

Scheinbar nebenbei, absichtslos erzählt Salter hier aber auch vom Ehrgeiz, von Profilierungssucht und von Freundschaften und anderen zwischenmenschlichen Beziehungen. Und natürlich vom Verrat derselben.

Im Gegensatz zu “Lichtjahre”, dem ersten auf deutsch veröffentlichten Roman von Salter, ist “In der Wand” zusammenhängender, nicht so fragmentarisch, und wirkt dadurch noch eindringlicher.

Ich bin begeistert von Salters Sprache – mit jedem Buch, das ich von ihm lese, wächst meine Bewunderung.

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