Louis Begley – Schmidt (About Schmidt)

begley-schmidtAlbert Schmidt war bis zum Ausbruch der Krankheit seiner Frau ein hoch angesehener Anwalt in einer renommierten Kanzlei – doch im Bewusstsein, seine Frau nicht mehr lange um sich zu haben, lässt er sich vorzeitig in den Ruhestand versetzen.

Nun ist Mary schon seit sechs Monaten tot, Schmidt lebt alleine im alten Haus in den Hamptons, seine Tochter kommt hin und wieder an den Wochenenden aus New York. Und sie will heiraten – einen Anwalt aus seiner Kanzlei, den er zwar selbst protegiert hatte, den er privat aber nicht mag, und der zudem noch Jude ist.

Charlotte hat sich ohnehin verändert, der Kontakt zwischen Vater und Tochter wird immer schwieriger. Nach einem Familienessen mit Eltern, Großeltern des Bräutigams versucht dessen Mutter, ihm eine Freundin zu werden, ihm zu erklären, was schiefgelaufen war.

Schmidt vermisst seine Frau schmerzlich. Zwar war er ihr nicht immer treu, aber sie waren ein gutes Team, und sie hatte ihn vor vielerlei Fehlentscheidungen bewahrt, hatte auch immer zwischen Vater und Tochter vermitteln können. Und der Freundeskreis, mit dem sie sich umgeben hatten, war auch ihrer – was er nun noch deutlicher merkt. Es führt kein Weg dran vorbei: Schmidt war einsam.

So verbringt er seine Abende gerne im Restaurant, um zumindest mit der hübschen jungen Kellnerin ein paar Worte wechseln zu können.

Carry, so ihr Name, scheint sich ebenfalls gerne mit ihm zu unterhalten – doch ob sie sich wirklich etwas aus einem alten Mann wie ihm machen kann? Sie ist jünger als seine Tochter – und dennoch, langsam entwickelt sich die Möglichkeit eines späten Glücks….

Die Gefühle, die ich Schmidt beim Lesen entgegenbrachte, waren recht zwiespältig: dem Schmidt von heute, der einsam und ohne Aufgabe in den Hamptons lebt, gehört mein Mitgefühl.

Ein Leben ohne wirkliche Freunde – denn die hatte er in seiner aktiven Zeit nicht so nötig, hatte sie nicht gepflegt, die Beziehung zu seiner Frau war ihm genug. Und dann gab es noch den Freund aus Studientagen, dem man nun, da er berühmt war, allerdings nicht zu nahe rücken durfte, besser darauf wartete, dass dieser sich selbst meldete. Und dessen “kränkende Vernachlässigung er über sich ergehen ließ wie schlechtes Wetter”.

Eine Tochter, die ihm durch die Sekretärin ihres Verlobten die Einladung zum Thanksgiving-Essen zukommen lässt, die auf sein großzügiges Geschenk nur mit “wie sollen wir das finanzieren” reagiert, ihm heftigsten Antisemitismus unterstellt; die zum gefühlskalten Yuppie geworden ist.

Aber auf der anderen Seite die Erzählungen vom aktiven Schmidt, der früher seiner Tochter ebenfalls die Nachrichten beinahe alle durch seine Sekretärin übermitteln ließ, der nie das Gespräch mit ihr gesucht hatte.

“Schmidt” ist die Geschichte der Einsamkeit eines früher erfolgreichen Menschen – gespickt mit Berichten über die Finanzprobleme der Reichen, die für Otto Normalverbraucher wie mich nur mit ungläubigen Augen bedacht werden.

Louis Begley ist ein hervorragender Erzähler; ein Buch, das sich zu lesen lohnt!

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