Louis Begley – Der Mann, der zu spät kam (The Man Who Was Late)

begley-spaetBen – ein Mann in den besten Jahren, geschieden, wohlhabend, gutaussehend, gebildet – und beruflich sehr erfolgreich, leitet eine Außenstelle in Paris. Aber wenn er vor wichtigen Entscheidungen steht, versagt er, macht einfach gar nichts. Und wenn er sich endlich zur Aktion entschließt, ist es zu spät.

Auf diese Art hat er die Momente verpaßt, die ihm den Zugang zu den Kindern aus der ersten Ehe seiner Ex-Frau Rachel gewährt hätten, die er wie ein Vater aufgezogen hat, wo er erbittert um Besuchsrecht gekämpft hatte – und so verliert er auch Veronique.

Veronique, die Cousine seines besten Freundes (und Erzähler des Romans) ist verheiratet. Aus der Affaire der beiden entwickelt sich echte Liebe – doch Ben kann nicht über seinen Schatten springen, sie mit ihrem Sohn zu sich zu nehmen, auch aus Angst, dem Jungen wieder soviel Gefühle entgegenzubringen wie Rachel´s Kindern.

Während Ben in Brasilien entscheidende Verhandlungen führt, platzt Veronique bei ihrer Familie mit der Nachricht los, sie würde ihren Mann verlassen – wegen eines anderen Mannes. Sie schreibt einen Brief an ben, in dem sie ihn bittet, so rasch wie möglich zu kommen – doch Ben läßt die Zeit ungenutzt vorbeigehen, schreibt nur einen kurzen Brief – und kehrt erst Wochen später nach Paris zurück. Bestürzt muß er erkennen, daß seine Liebesbeteuerungen nun auf unfruchtbaren Boden fallen. Im Klappentext war die Rede von einem Mann, der de facto zu spät zu wichtigen Verhandlungen kam, er der pünktlichste Mensch unter der Sonne. Meiner Meinung nach kommt er nicht zu spät, sondern wird in Momenten, wo zumindest irgendeine Handlung gefragt ist, apathisch und macht ganz einfach gar nichts. Diese Situationen sind brilliant geschildert – man fühlt das Leben förmlich an Ben vorbeirauschen.

Mit scharfer Beobachtungsgabe werden der richtige Sitz von Anzügen, gesellschaftliche Floskeln, Wirtschaftsgepflogenheiten etc. beschrieben – das alleine würde das Buch schon lesenswert machen.

Die Sprache ist sehr nüchtern und klar, in kurzen Sätzen – und hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Ich habe 2 Nächte kaum geschlafen, weil ich es unbedingt zu Ende lesen mußte.

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