Pippi Langstrumpf – Nein Danke.

pippiIch bin, wie vermutlich die meisten Kinder zu meiner Zeit, mit Astrid Lindgren aufgewachsen. Oder besser gesagt: mit Pippi Langstrumpf. Und Michel von Lönneberga. Karlsson vom Dach. Und damit … hört es bei mir auch schon wieder auf. Falls ich als Kind die anderen Bücher doch auch gelesen haben sollte, so kann ich mich auf jeden Fall nicht mehr daran erinnern.

Aber macht ja nichts. Pippi Langstrumpf alleine genügt doch schon. Das ist doch etwas, worauf man sich dann durchaus auch freut, wenn man selbst Kinder hat – ihnen dieses Buch vorzulesen.

Und da kam dann schon die nächste Enttäuschung. Es hat mir keinen Spaß gemacht. Weiterlesen

Klaas Huizing – Bruderland

huiVor vielen Jahren las ich das Buch Ruth über eine Zeit, die mir sehr fremd ist und auch weiterhin blieb – aber die Lektüre habe ich als eine der wenigen zu diesem Thema in Erinnerung behalten. Ein paar Jahre darauf folgte “Frau Jette Herz” – ein wirklich toller Roman über die Zeit der großen Berliner Salons. Der Name Huizing hat für mich also einen guten Klang.

Und jetzt? Habe ich das Buch “Bruderland” eigentlich nur bis zum Ende gelesen, weil ich wissen wollte, welchen Tod dieser Moritz denn nun gestorben ist und welchen Anteil Henk daran hat. Man erfährt es wirklich erst auf der letzten Seite, sonst hätte ich vorher abgebrochen.

Denn obwohl auch in diesem Buch zwischendurch schöne, dichte Beschreibungen einer alles andere als heilen Familie enthalten sind, hat mich die Umsetzung der Jetzt-Zeit mit den ganzen Auswirkungen auf Henk, der so bindungsscheu ist und eine Frau nach der anderen wieder von sich weg treibt, so gar nicht überzeugt.

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Klaas Huizing – Frau Jette Herz

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Und hier noch ein drittes mal aus dem Archiv, eine echte Leseempfehlung!

Der Begriff “Salon” ist untrennbar mit ihr verbunden – mit Henriette Herz, die in Berlin Ende des 18. Jahrhunderts 20 Jahre lang einen Kreis von angesehenen Literaten, Philosophen und Theologen um sich scharte.
Der Roman setzt mit dem ersten Besuch des Theologen Schleiermachers in diesem Salon ein; bald schon geht er beinahe täglich bei der Herz aus und ein, eine tiefe Freundschaft verbindet die beiden optisch sehr ungleichen Menschen; sie, eine große, üppige Schönheit, und er dagegen klein, etwas verwachsen, schmächtig – ein gefundenes Fressen für die Karrikaturisten, die sich diese Gelegenheit zum Spotten nicht entgehen lassen.

Doch das wird – zumindest im Buch – erst etwas später wirklich wichtig. Erst muss sich diese Freunschaft ja entwickeln; dass sie anders als platonisch sein könnte, kommt für Jette anfangs auch gar nicht in Frage. Schließlich ist sie verheiratet, wenn auch in einen sehr viel älteren, nüchternen Mann. Und Schleiermacher? Nun, der verliebt sich erstmal in eine verheiratete Frau.

Als Marcus Herz recht plötzlich stirbt, muss Jette Herz ihre Ausgaben so weit einschränken, dass ihr ein Fortführen des Salons nicht mehr möglich ist. Die Freundschaften allerdings bleiben bestehen; vor allem natürlich zu Schleiermacher, der zwischenzeitlich aus Berlin versetzt wurde. Als dann auch die Beziehung zu Schleiers Pastorsgattin abgebrochen werden, wagt Jette einen Vorstoß; wäre sie schließlich nicht die ideale Partnerin für ihren Schleier? Doch dieser lehnt ab; und trotz aller unerfüllten Sehnsüchte bleibt der Freundschaftsbund bestehen.

Soweit ganz kurz, sachlich und wahrscheinlich auch nicht sonderlich verlockend zum Inhalt. DIe ersten 50 Seiten empfand ich denn auch als zwar zeitgeschichtlich interessant, insgesamt aber doch eher wenig fesselnd. Doch je mehr dichterische Freiheit der Autor sich dann erlaubt, je mehr er sich auch versucht in die Gefühlswelt dieser hochgebildeten Frau zu versetzen, umso faszinierender empfand ich es. Jette, die als große Schönheit galt, leidet sehr darunter, dass sie kein körperliches Verlangen in den sie umgebenden Männern hervorzurufen versteht. Im heutigen Sprachgebrauch ist sie der Kumpel, mit dem man Pferde stehlen kann, hat immer ein offenes Ohr, ist gleichzeitig auch Muse und intellektuelle Ansprechpartnerin.

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Klaas Huizing – Der letzte Dandy

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Aus dem Archiv:

Die Vorstellung “was passiert nach dem Tod” beschäftigt die Menschen seit jeher. Bei Klaas Huizing ist der Himmel irgendein Ort am Meer, kein Sandstrand unter Palmen, sondern eher Ostsee, und die Eitelkeiten der Irdischen bleiben nach wie vor erhalten.

Daher sind die beiden Herren, die man hier bei einem Strandspaziergang begleiten kann, unschwer als Thomas Mann und Sören Kierkegaard zu identifizieren. Nach gegenseitigen Schmeicheleien – die allerdings für Herrn Mann nicht immer ganz so ausfallen, wie er sie gerne hören würde – ergibt sich aus dem Gespräch, dass Kierkegaard gerne eine Autobiographie verfassen würde und sich dabei gerne von Thomas Mann zur Seite stehen lässt. 
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Klaas Huizing – Das Buch Ruth

ruthDie erste gemeinsame Aktion war ein Liederabend, um gegen die Verwendung von Weihnachtsbäumen zu protestieren. Und eigentlich hätte Ruth schon hier merken können, dass bei Georg gegen etwas protestieren noch lange nicht hieß, auch selber danach zu leben; denn bei seinen Eltern prangt natürlich stolz eine große Tanne. Es wäre nur seiner Mutter wegen, erklärt er ihr.

Und wie auch in den vielen Jahren, die noch folgen sollten, lässt Ruth sich von Georgs Argumenten einwickeln. Verzeiht ihm. Verzeiht ihm auch, dass er sie dann, als sie zu studieren beginnen, verlässt, um “andere” Erfahrungen zu sammeln. Verzeiht ihm, dass bei all den Aktionen, mit denen sie sich gemeinsam in der Friedensbewegung engagieren, immer er die Lorbeeren einheimst, während sie mit dem Großteil der Arbeit belastet wird.
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Christiane Frohmann (Hrsg) – Tausend Tode schreiben

 

1000Digitale Herausgabe macht es möglich: ein Buch, vier Erscheinungstermine. Egal, wann man es kauft, man erhält den Rest automatisch. Und so sind im ersten Teil der Sammlung von Texten um den Tod erstmal nur 135 Texte enthalten, 1000 sollen es werden.

Neben in der deutschen Literaturszene sehr bekannten Namen (wie David Wagner, Zoe Beck, Clemens Setz) finden sich auch die Texte von Bloggern, Lesern, … ich mag den Verlagstext hier nicht nochmal aufzählen. Nur so viel: es sind durchaus nicht immer die Texte von den “gelernten” Schreibern, die vielleicht ab und an eine Saite bei einem selbst berühren.

Wie wird der Tod in der Gesellschaft wahrgenommen – unter diesem Untertitel könnte man, soweit ich es verstanden habe, diese Textsammlung begreifen. Ich habe jetzt an zwei Abenden die bislang 135 Texte gelesen, die in der ersten Version enthalten sind.

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Ursula Engel, Bernd Ulrich – Mama, Papa, ich werd´ Fußballprofi

engelEs gibt Themen, die springen einen in gewissen Lebenssituationen einfach an. Fußball? Hat mich nie interessiert. Ich gebe zu, ich gehörte auch zu denen, die eine leicht snobistische Herablassung an den Tag legten, was das Spiel und das Publikum anging.

Aber… ich habe Kinder. Söhne. Die, man ahnt es schon… Fußball spielen. Im Verein. Und nun gehöre ich eben auch zu den Fußballmuttis, die Kinder zum Training kutschieren, zum Spiel, und habe dabei zumindest eines gelernt: dass das Spiel durchaus nichts für Dummköpfe ist.

Nein, eine Karriere im Profifußball ist nicht im Entferntesten angedacht. Aber gerade auch, nachdem im Nachgang der gelungenen WM 2014 so viel von der guten Nachwuchsarbeit der Vereine die Rede war, hat mich mal interessiert, wie das denn tatsächlich aussieht, und ein bisschen mehr über Fußballinternate etc. gelesen. Dabei bin ich auch auf eine Langzeitreportage gestoßen, bei der zwei Jugendliche auf ihrem Weg in die geplante Profikarriere begleitet werden. -> klick Weiterlesen

Wolf Haas – Brennerova

brennerovaKann man das wirklich als Krimi bezeichnen? Egal. Es ist mal wieder etwas passiert. Der Brenner hat sich erneut mit seiner Hilde eingelassen, aber ganz unabsichtlich auch Kontakt bei einer russischen Frauenvermittlung gesucht. Und da war diese wunderschöne Frau, Nadeshda, die sich auch noch gewünscht hat, dass er sie besucht, und weil die Hilde sowieso eine bewusstseinserweiternde Wanderung irgendwo am Ende der Welt geplant hatte, fliegt er halt hin, steigt nach ihren genauen Anweisungen um und wird prompt ausgeraubt.

Aber dann schaut sie ihn mit ihren großen Augen an und erzählt von der verschwundenen Schwester, die er jetzt suchen soll, was er, zurück in Wien, dann irgendwie auch anfängt und dabei in Kontakt mit einem REdakteur einer Onlinezeitung und einem Tätowierer kommt, die beide kurz darauf mit abgeschnittenen Händen vorgefunden werden.

Natürlich will er jetzt mehr wissen, und so nimmt eine ausgesprochen verworrene und an den Haaren herbeigezogene Geschichte ihren Lauf. Wobei ich ausdrücklich dazu sagen muss: beim Haas stört mich das an sich nicht, wenn es an den Haaren herbeigezogen ist. Die Krimihandlung bei seinen Büchern war immer schon Nebensache.

Mein Problem war, dass ich auch die kleinen zwischenmenschlichen Beobachtungen und den Wortwitz, der durch die geniale Schilderung von Haas normalerweise so ein Buch trägt, diesmal entweder nicht vorgefunden habe – oder es bei mir einfach nicht mehr wirkt.

Kurzum: Das Ende des Buches ist so gestaltet, dass man eine Fortsetzung eigentlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwarten kann. Ich wünsche mir trotzdem, der Autor verzichtet darauf.

Marc Elsberg – Zero

zeroNachdem ich von “Blackout” trotz einiger Mängel (eher flache Charaktere, schlichte Sprache) sehr angetan war, war ich natürlich auch auf das neueste Werk von Elsberg gespannt.

Diesmal erzählt er davon, was mit all den Daten, die wir den Datenkraken jeden Tag bereitwillig überlassen, geschehen kann. Dazu lässt er eine engagierte, aufrechte Journalistin, die allerdings wenig Ahnung von der digitalen Welt hat, auf die Suche nach “Zero” gehen, einer Untergrundorganisation, der es gelungen ist, Drohnen zum amerikanischen Präsidenten einzuschleusen und so zu zeigen, wie wenig die Sicherheit heute noch gewährleistet werden kann.

Der Ansatz ist also durchaus interessant, auch einige der Gedankenexperimente (die nicht so weit hergeholt sind, vieles davon ist in mehr oder weniger ausgeprägter Form schon Standard). Aber es ist so hanebüchern umgesetzt… der Plot knirscht und kracht an allen Ecken und Enden, gerade gegen Ende hin wird fast ausschließlich auf diverse Verfolgungsjagden gesetzt, wobei der psychologische Aspekt der Handlung völlig auf der Strecke bleibt (und damit auch die Logik).

Nein – das geht besser.

Thomas Hettche – Pfaueninsel

PfaueninselSie liegt wie ein Relikt aus vergangener Zeit im Wannsee – die Pfaueninsel. Erst war sie vor allem ein Liebesnest, doch dann gab es eine durchaus wechselvolle Geschichte der Nutzung. Von der landwirtschaftlichen Bereitstellung von Obst und Gemüse das ganze Jahr über hin zum Vorläufer des Berliner Zoologischen Gartens mit der Menagerie und der Sammlung von Menschen, die aus der Norm fallen und ebenfalls dort mehr oder weniger ausgestellt wurden.

Hettche erzählt hier das fiktive Schicksal des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Maria Dorothea Strakon. Dieses Schlossfräulein hat tatsächlich auf der Pfaueninsel gelebt – aber außer, dass sie 80 Jahre alt wurde, ist kaum etwas über sie bekannt.

Das Schicksal, das Hettche ihr hier andichtet, ist also fiktiv. Und da kommen wir schon zum Hauptgrund meines Unbehagens.

Es ist bei Romanen, die in der Vergangenheit spielen und historische Persönlichkeiten mit einbinden klar, dass nicht alles, was hier erzählt wird, der Realität entspricht. Hier tauchen naturgemäß sehr viele Personen auf, die wir alle aus der Geschichte kennen; im großen und ganzen wurde auch, soweit ich das beurteilen kann, darauf geachtet, dass die Fiktion nicht zu weit von der Realität abwich.

Aber hier wird ein ganzes Leben mit ganz schön grotesken Verwicklungen erfunden für einen Menschen, den es tatsächlich gab. Und das hat mich beim Lesen durchaus gestört.

Ich habe sehr gerne über die Pfaueninsel und ihre Gestaltung gelesen, über die unterschiedliche Nutzung und all das, was das auch über die entsprechende Zeit verrät. Als Rückblick auf die Zeitgeschichte hat mir diese leicht distanzierte Betrachtungsweise – auf der Insel erlebt man die Zeitenwechsel nur am Rande, man ist nicht mittendrin, das war wunderschön gelöst – ausgezeichnet gefallen.

Aber mit der eigentlichen Handlung, der Geschichte des Schlossfräuleins, mochte ich mich so gar nicht anfreunden. Ich kam beim Lesen nie an den Punkt, dass ich das Gelesene als ihre Geschichte widerspruchslos hingenommen hätte, stets war da der Gedanke im Hinterkopf, dass ich sehr viel davon – vor allem die überreichlichen Sexszenen – einfach als übertrieben und ins Groteske gesteigert empfand.

Daher bleibt bei mir ein ambivalentes Gefühl zurück – und natürlich der Wunsch, doch im nächsten Sommer mal wieder zur Pfaueninsel rauszufahren.