Martin Olczak – Die Akademiemorde (Akademimorden)

akademieKommentar in aller Kürze:
Fängt interessant an, eine nette Geschichte rund um Literatur und Morde. Die Mitglieder der schwedischen Akademie, die jährlich den Nobelpreis für Literatur beginnt, werden der Reihe nach unter seltsamen Umständen getötet, und das Motiv dafür ist, soviel darf man glaube ich verraten, in der Literatur versteckt. Kein Wunder also, dass die Ermittler in Claudia Rodrigez einen Antiquar zu Rate zieht.
Aber die wird rasch aus dem Fall ausgeschlossen (Die Begründung dafür war das erste wirklich große Ärgernis) und ermittelt dann auf eigene Faust weiter.
Im Gegensatz zur Polizei erschließen sich ihnen die Zusammenhänge natürlich sofort…
Was auf dem ersten 100 Seiten noch nach netter, kurzweiliger, wenn auch nicht besonders anspruchsvoller Lektüre aussah, hat mich im weiteren Verlauf des Buches zunehmend geärgert. Ein Krimi muss schon sehr gut geschrieben sein, damit ich Logik und Wahrscheinlichkeit komplett ausschalten kann. Und das war dieses Buch leider nicht. Sprachlich simpel, voller Wiederholungen… nach den enthusiastischen Kritiken hatte ich mir deutlich mehr erwartet

Klappentext: Stockholm, im Mai: Im weltberühmten Hotel Berns Salonger hat man gerade Strindbergs 100. Todestag begangen. Die Festrede hielt der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, ein würdiger Mann und ebenfalls angesehener Schriftsteller. Jetzt kurz vor Mitternacht ist er auf dem Weg nach Hause, durch einen abgeschiedenen Park. Hier trifft es ihn unvermittelt, das Schicksal. Hier wird er ermordet. Tatwaffe ist ein altertümlicher Schwarzpulverrevolver, der die Polizei vor Rätsel stellt. Noch bevor sie sich für eine Ermittlungsrichtung entscheiden kann, geschehen am nächsten Tag vier weitere, ebenso schonungslose Morde. Die Opfer: ebenfalls Mitglieder der Akademie, die für die Auslobung des jährlichen Literaturnobelpreisträgers verantwortlich ist. Was treibt den Mörder um? Klar ist, dass die anderen Akademiemitglieder geschützt werden müssen. Klar ist auch, dass hier konventionelle Methoden nicht weiterhelfen. Claudia Rodriguez von der Zentralen Mordkomission ermittelt auf eigene Faust – und gegen den Willen ihrer Vorgesetzten. Statt dessen bittet sie ihren alten Freund Leo Dorfman um Hilfe, einen Buchantiquar …

Michele Serra – Die Liegenden (Gli Sdradiati)

wpid-img_20140616_140010.jpgKurze Lesenotiz:

Der Autor Michele Serra, der mit seiner Familie (Frau, Tochter, drei Söhne) in Mailand lebt, ist in Italien vor allem für seine Kolumnen bekannt, die in La Repubblica und L’Espresso erscheinen.

In “Die Liegenden“ schreibt er von einem Vater und dessen achtzehnjährigen Sohn und die Art ihres Zusammenlebens und ihrer Kommunikation (keiner). Dazu spricht ein “ich“ fortwährend den Sohn, das “du“, an. In teils philosophischen, teils maßlos überzeichneten Passagen erzählt es davon, wie schwierig es sich gestaltet, Kontakt zueinander zu finden. Weiterlesen

Taye Selasi – Diese Dinge geschehen nicht einfach so (Ghana must go)

salesiDer Klappentext sagt: Die literarische Sensation aus Amerika – ein kosmopolitischer Familienroman: In Boston, London und Ghana sind sie zu Hause, Olu, Sadie und Taiwo. Sechs Menschen, eine Familie, über Weltstädte und Kontinente zerstreut. In Afrika haben sie ihre Wurzeln und überall auf der Welt ihr Leben. Bis plötzlich der Vater in Afrika stirbt. Nach vielen Jahren sehen sie sich wieder und machen eine überraschende Entdeckung. Und sie finden das verloren geglaubte Glück – den Zusammenhalt der Familie. Endlich verstehen sie, dass die Dinge nicht einfach ohne Grund geschehen. So wurde noch kein Familienroman erzählt. Taiye Selasi ist die neue internationale Stimme – jenseits von Afrika.

Meine Meinung dazu: Wurde mir im Laufe des Buches zu… glatt. Jedes Teilchen fiel auf seinen Platz, alle Probleme konnten gelöst werden, jedes der Geschwister hatte eigentlich ein sehr ähnliches Problem (Platz in der Familie, Minderwertigkeitsgefühle, Eifersucht auf die Geschwister) – abgesehen von dem ganz großen Thema, dass jeder für sich noch hatte. Die Kinder waren mir insgesamt einfach nicht interessant genug – und ironischer Weise liegt das vor allem daran, dass sie als so “besonders“ herausgestellt werden. Die Figur, die ich wirklich in ihrer Widersprüchlichkeit faszinierend fand war Kweku.
Insofern lag mir der erste Teil des Romans, der ihn im Zentrum hatte, sehr viel mehr. Irgendwie schade – ich habe das Gefühl, hier wurde etwas verschenkt.

Dieser Link führt zu einigen Zitaten, die mich im Laufe der Lektüre beschäftigt haben: Zitate

M.C. Beaton – Agatha Raisin und die tote Gärtnerin (Agatha Raisin and the Potted Gardener

raisinAgatha Raisin fasst es nicht: Kaum kehrt sie ihrem Cotswolds-Cottage mal den Rücken, da bandelt ihr attraktiver Nachbar James schon mit einer anderen Frau an. Mary Fortune heißt das blutjunge Ding, das leidenschaftlich gern gärtnert – ganz im Gegensatz zu Agatha. Trotzdem ist diese sich sicher, die unliebsame Konkurrentin in der bevorstehenden Gartenschau zu übertrumpfen. Doch dazu kommt es erst gar nicht, denn ausgerechnet Agatha stolpert eines Nachts über Marys Leiche – und die steckt kopfüber in einem Blumenkübel…

 Dieser Krimi hat etwas von einer seichten Fernsehschnulze – und hat mir trotzdem (oder genau deswegen?) Spaß gemacht.

Elizabeth Gaskell – Lizzie Leigh

lizzieDiese Erzählung beginnt am Sterbebett des Familienoberhaupts. Ich vergebe ihr – damit verabschiedet er sich. Es war der größte Wunsch seiner Frau, dies noch von ihm zu hören. Nun, da die sich mit noch den Kindern verpflichtet fühlt, kann die Mutter endlich tun, was ihr schon lange am Herzen liegt: nach ihrer Tochter Lizzie suchen, eben jener, der nun endlich vergeben wurde. Man ahnt es schon, was es ist, was die so sehr in Ungnade hat fallen lassen: sie hat ein Kind bekommen.

Wie nun dieses Kind ins Spiel kommt, eine weitere Liebesgeschichte sich entwickelt, großer Kummer über die Familie kommt und am Ende doch so etwas wie Friede und Glück auf die Beteiligten wartet, liest sich auf gewohnt etwas umständlich, im schönsten Sonne altmodische Weise.

Tove Jansson – Das Sommerbuch (Sommarboken)

SommerbuchEigentlich habe ich mich während langer Stecken bei diesem Buch einfach nur gelangweilt. Eine Großmutter und ihre sechsjährige Enkelin erleben einen (?) Sommer auf einer abgelegenen Insel, stromern über das Jahr Land, beobachten und führen hin und wieder die Art Gespräche, die mit Kindern gerne mal entstehen, wo man dann selbst überrascht ist, welche Gedanken dabei zum Vorschein kommen.

Es sind dann auch die ganz nebenbei zu findenden kleinen philosophischen Passagen, die die Lektüre für mich ab und an interessant machten… Aber es hat nicht ausgereicht, den Rest wohlwollender zu bewerten. Ich konnte sich mit den Mummins nicht viel anfangen..

Ulrike Edschmied – Das Verschwinden des Philip S.

psOhne Lesekreis hätte ich nicht zu diesem Buch gegriffen. Warum? Weil mir die 68er und die Radikalität jener Zeit zutiefst fremd ist. Leider schafft es auch Edschmid mit ihrem Roman nicht, die mir näher zu bringen. Es ist die kühle, sehr distanzierte und überwiegend autobiographische Schilderung des Lebens, dass die Autorin mit diesem Phillip S. führte. Von der Erschießung Benno O. beeinflusst, wollen sie die Welt verändern – von Kleinen, der Kindererziehung, angefangen – sie gründen die ersten Kinderladen – bis hin zum Großen, das nur durch Gewalt erreicht worden kann.

Mir hat in diesem Buch vieles gefehlt, was es mir als Wesensfremder leichter gemacht hätte, die innere Wandlung nach zu vollziehen, die zu einer derartigen Gewaltbereitschaft führt. Sp bleibt es ein – oft genug auch verbrämt eitles – Erinnerungsbuch, das mir nichts sagen will. Ich bin auf die Diskussion gespannt…

Ich hatte zudem den Eindruck, nicht unbedingt ein literarisches, sondern eher journalistisches Werk vor mir zu haben.

Und was mich ganz am Rande noch gestört hat: es gibt eine Passage in diesem Buch, da ist die Rede von der Halbschwester des 44. amerikanischen Präsidenten, die Jahre später in dem Haus gewohnt haben soll, in dem ein Teil der Handlung der Erinnerungen hier spielt. Wenn man schon so viel Wert darauf legt, dieses unwichtige Detail mit zu verpacken – warum nennt an es dann nicht wenigstens konkret beim Namen?

Man sieht  – meine Begeisterung ist nicht groß. Ich bin gespannt darauf, ob ich nach unserer Diskussion vielleicht ein anderes Bild davon habe.

M. C. Beaton – Agatha Raisin und der tote Richter / Agatha Raisin and the Quiche of Death

16180454Ein nettes britisches Dorf, eine Städterin in den besten Jahren, die sich zur Ruhe setzt und in eben jenes Dorf zieht, sich langweilt und beschließt, mit einer gekauften Quiche den dörflichen Backwettbewerb zu gewinnen sind der Anfang dieses behaglichen kleinen Krimis. Am nächsten Morgen findet man den Preisrichter des Bewerbe tot. Ursache: Vergiftung. Nach Genuss einer gewissen Quiche…

Agatha Rausin stolpert in und durch die Ermittlungen und findet ganz nebenbei Freunde im Dorf…

Wer den deutschen Titel verbrochen hat, sollte gestrafft werden… ansonsten nett zu lesen, wenn man gerade die Ansprüche nicht zu hoch hängt.

Ursula Krechel – Landgericht

landgerichtLandkreis wurde 2012 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Schon als es auf der Longlist auftauchte, hatte es mich gereizt – obwohl ich eine gewisse Übersättigung an mir feststelle, wenn es um die Aufarbeitung des Nazi-Regimes in der Literatur geht, hatte die ganz spezielle Konstruktion dieses Romans mich schon von Anfang an gereizt.

Auch nach dem Besuch einer Lesung, als die Autorin über den Entstehungsprozess des Romans erzählt hatte, war ich voll des guten Willens, das Buch so bald als möglich zu lesen. Dank Skoobe hatte ich auch schon früh die Gelegenheit dazu – und doch… habe ich bis eben gebraucht, es auch tatsächlich zu lesen. Und wenn nicht die zusätzliche Motivation in Form des “Gruppendrucks” meines Lesekreises gewesen wäre (dem ich das Buch selbst vorgeschlagen hatte…) hätte ich womöglich noch länger gezögert.

Warum eigentlich? Das hatte ich mich zumindest, als ich endlich wirklich begann, immer wieder gefragt. Richard Kornitzer, der bis 1933 in Berlin Richter war, kehrt nach seinem Exil in Kuba zurück zu seiner Frau Claire an den Bodensee. Die Wiederbegegnung des 10 Jahre getrennten Ehepaares mit zu erleben, auch dann die Veränderungen, die in beiden vorgegangen sind und vor allem der große Verlust, den sie beide erlitten haben, nachzuvollziehen – die Kinder, die sie nach England geschickt hatten, damit diese dort den Krieg überleben sollten – das alles waren Dinge, die mir auch aufgrund der Art, wie sie mir geschildert wurden, unheimlich nahe gingen. Weiterlesen

Bernhard Schlink – Die Frau auf der Treppe

SchlinkTreppeUm Bernhard Schlimm ist es nach seinem großen Erfolg mit dem “Vorleser“ und den “Selb-Krimis“ in gewisser Weise soll geworden. Er konnte mit keinem seiner Bücher, die darauf folgen, an den großen Erfolg anschließen – und ich wage die Prophezeiung, dass es ihm mit diesem Buch erst recht nicht gelingt.

Als treue Leserin habe ich auch alle anderen Werke gelesen – mit unterschiedlicher Begeisterung. Ich mochte die Heimkehr, weniger seiner Erzählungen, auch der RAF-Roman das Wochenende war interessant.

Doch dieser neue Roman hat mich ziemlich enttäuscht.

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